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500 Jahre Diebowen - Dybowo

1514 - 2014

Google-Street View läßt nur die Abzweigung von der  Straße Ciernie -> Dybowko sehen

Ein anderer Einblick etwas weiter von der Straße Ciernie -> Dybowko aus

Quelle:
GSTA PK XX HA Ostpr.Fol. Nr. 125 Metrik d.Ämter Diebowen 1514 u. Bolkony/Gutten 1485

Der von Diboiien Kaüffbrieff

 

Ich george von Colbitz Teutsches ordens pfleger znv Johanns-

pürgk bekenne hiermitt dießen meinen offenen briüe (Brief) vor Id-

menniglich die In ßehen odder hoeren laßen wie ich von me… (meines)

Ordenswegen auffrichtig und redlich verkaufft habe hier

geschrieben meins ordens lieben geworden als (*) Joseph Haen pi… (Peter)

matz Kollodzey Stannik Haen micolaÿ Stank und Janny

alle außem Roschinsken habs Verkaufft (…? 16) huben und da-

noch ein halbs Hube Obermaaß alle Ihm Roschinsken gelegen …

hube vor (?) margt Binnen sollichen grennitzen wie  hie nach-

volget die erste an Boßker (*) grentz darnach an Kursmunker (Kurszontker) grentz

(* RN boszker verg. Ostpr. Fol. 207 S.85 - 1486/1536 Gutten)

dan am marcheffker und Ors?ner (Czierner) grentz erblich unnd ewick……? (Ewiglich)

zu magdebürgischen rechte zwo (zu) besitzen von dießen hüben sol… (sollen)

Sie verpflicht sein meinem Orden ein dinst zwo (zu) thün unnd (mit)

allem Scharwerk wie andere freyhen auf der Dameraw unn(d)

pflugkorn von pfluegen hoersten (?) odder morgen auch gleich ander

dis gebns einwonenden freÿen  Von sünderlicher gunst unnd v…

bessern Behalffs willen göne und vorschreibe ich Inen von me(eines)

Ordens wegen hiemitt zü, (Zahlzeichen?), beweisen zwo (zu) hatiens binnen sollic(chen)

Iren grennitzen unnd Inen allen gesampt umb eine fischerey w(ollen)

alleine zwo Irem tische iiÿ. (Zahlzeichen?), Gerke (?) Ihm Boroffen zwo stellen d(…)

zwo (zu) eines sicherheÿtt unnd perhaugnis der warheÿt hab ich diese

Verschreibung mein eÿgen erbsiegell binnen lasßen auffdrücken

gegeben und gescheen anno 1514

(*) lt. Bialunski S.62: Joseph Jhaen, Peter, Matz, Koledzey, Stannik,
einem weiteren Jhaen, Micolay, einem zweiten Stanck und einem weiteren Janny

Diebowen / Dybowo im Rosinschen

Aus GSTA PK - XX Ostpr. Fol. 208 a - Beständnisbuch Diebowen von 1717

"16 Hub -
nebst 1 Hube Übermaas, sind denen Einwohnern vom George von Kolbitz deutscher Ordens Pflegern am Tage nach Corporis Christi ao 1514 (am Tag nach Fronleichman - also am 16. Juni *) zu Magdeburgischen Rechten verkauft (*) davan sie dienst thun, und geben 1 ß od 6 Uhrkundt 8 Scheffel Korn 16 pf. gerst an Pfluggetreÿdich nebst 1 Pfund Wachs Scharwerken gleich andern Freÿen, sind ihnen auch Zwölf Bäuthen beinen ihren gräntzen zu halten. Auch Im See Borrowen 4 Säcke nach Firt zu halten vergunt die verschreibung ist denen Besitzern im Kriegs Wesen von händen kommen, ist aber beÿm Amt ein original vorhanden und alhier zu finden pag:
Von der 1 Hube Übermaas ist weder in dem Ambtsrechnungen noch in den Schoßregesten gedacht

14 Huben  
haben die Zwalliner gehabt, welche ihnen ao 1598 vom 8t April gegen abtrettung gehabten Mühle aufem fluß Johannisburg, da durch das Waßer gestaurt und am Königl: Hause Schaden geschehen, vom Scharwerk Pflug Getrÿde und anderen Pflichten gleich andern Güthern zu Zwallineren Befreÿet.


Leisten 1 ritter dienst davon, 

hierüber ist keine verschreibung 

vorhanden.

Diese 14 Huben der Zwalliner, sind nach mahls an ihre freunde die Guttowsker gelanget, und sind nach Absterben des Paul Gutten Ambst Heinrichs und Landt-Cämmerers nach zweÿ Söhne verbleiben."

*) 500 Jahre später am 19. Juni 2014

(*) 
"Dibowen (a), ein Gut mit 16 Hufen zu Magdeburger Recht, wurde 1514 von Joseph, Jhaen, Peter, Matz Kolodzey, Stannik, einem weiteren Jhaen, Micoly, einem zweiten Stank und einem weiteren Janny, alle aus Rosinsko ("aussem Roschinsken"), gekauft mit der Pflicht zu einem Ritterdienst. Daneben erhielten sie eine halbe überzählige Hufe in Rosinsko; das ganze Gut lag zwischen Gutten Kurzontken, Marchewken und Cziernien. 

(a) Sicherlich ist hier nicht das Dorf, sondern die Gegend gemeint.
Das Gebiet lag zwischen der Grenze nach Lyck am Borowy-See und dem Lauf des Barbenfließ bis nach Nittken.
Das übrige Gebiet wurde zunächst Damerau, später schlicht Amt Johannisburg genannt.

Quelle: Grzegorz Bialunski,
Bevölkerung und Siedlung im ordensstaatlichen und herzoglichen Preußen
im Gebiet der "Großen Wildnis" bis 1568
S. 62

Die Guttowsker in Diebowen

Von den Guttowskern in Diebowen heißt es nach einer alten Quelle 

- VfFOW SoSchr. 67:

    "Im 16. Jahrhundert (1514) erwerben und besitzen die Czwalinna zu Czwalinnen lt. einem amtlichen Bericht aus dem Jahr 1700 auch die Hälfte (14 Hufen) des 30 Hufen großen 1514 verschriebenen Dienstgutes Diebowen im Ostteil des Amtes. Weil sie veranlasst wurden, ihre Mühle am Johannisburger Fließ abzubrechen - sie war der Bewässerung der Wiesen oder der Schiffahrt hinderlich - werden sie im Jahr 1598 für ihren Teil an Diebowen von Scharwerk und Pflugetreide befreit. "nachmals" (wann ?) hat nach diesem Bericht vom Jahre 1700

Jacob Guttowski

- des Amtshauptmanns Vater (welches ist nicht erkennbar*) - 

diese 14 Hufen gehabt."

Ein Amtshauptmann dieses Namens ist nicht festzustellen.
(In neben- und unten stehendem Dokument ist von 
Paul Gutten Ambts "? Heinrichs ?" und Landt
Cämmerer die Rede.
"seine zwey Söhne" sind Pawel und Jacob Guttowsky - die ungleichen Brüder.)

Jacob Guttowski muss etwa zwischen 1560 und 1530 geboren sein
- und "könnte" ein Enkel oder Sohn des Paul I. / Pauel Gutt Land-Cemmer sein.

- er "könnte" ein Nachkomme der vier "nachgelaßenen Söhne" des Nicolay: Marcin, Jann, Pavel und Bartek - aus Gutten sein -
oder ?
- er "könnte" ganz einfach bei den Zwallinern in Diebowen eingeheiratet haben - 
oder
- er "könnte" aber auch - der Nähe zu den Wassermühlen der "aufem Fluss Johannisburg" (= Pisa/Pissa, früher Galinde, danach heute die Stadt Pisz) aus der Nähe von Zwallinnen kommen -
oder
- er "könnte ein Sohn der Drygaller Guttowski's sein, der die Nähe zu seinen "Verwandten" im Rosinschen sucht - 
oder
- er könnte gar einer sein, der - wie die alte Verwandtschaft - ganz neu aus Wasosz in Masowien ins Rosinsche Kirchspiel wechselt.

oder

- er "könnte" ein von außerhalb neu hinzugekommener naher oder ferner Verwandter der "Guttowsker" von "irgendwo" sein - das letzte wohl kaum.

Der Sohn von Jacob Guttowski ist abermit größter Sicherheit - der bei dem Tartarischen Einfall und den Entführungen - offensichtlich "berühmte" - so genannte:

"Seel. Paul Gutt, gewesenen Rosinsch Land Cämers"

(Mit gleich größter Sicherheit nehme ich an,
dass dieser zwar nicht des "Amtshauptmann Vater" ist,
aber vergleichbar hoch gestellt und angesehen:
"Ambts-Heinrichs" ?

s.u.)

im Jahr 1656

findet der Einfall der Tartaren ist Ostpreußen statt. Die Berichte darüber, s. Randleiste, machen das Ausmaaß des Ausblutens der Bevölkerung dieser Dörfer deutlich.

Die Auflistung der von den Tartaren 1656 Entführten von Diebowen nach dem amtlichen Bericht aus dem Jahr 1663 
       - und weiter unten die von Kibissen -
und der Vergleich mit den Einwohnerverzeichnissen 42 Jahr später macht nicht nur einen erheblichen Wandel in der Bevölkerungsstruktur sondern auch einen Wandel in den sozialen Befindlichkeiten deutlich.

Da lässt sich zunächst vergleichend ablesen, in welchen Familie "übrig gebliebene", 
- "Nicht-Entführte" von 1656 - sind,                - 1. - u. - 5. -
wie es um die Guttowsker bestellt war             - 2. -
welche Besitzer-Familien "ausgestorben"          - 3. - u. - 4. - u. - 6 .-
und welche Besitzer ganz "neu hinzugekommen" sind:  - 7. - 

1. 

1698 sind 4 von 9 Familien nach den Tartarischen Entführungen "übrig Gebliebene"

ein Sohn von Woytek Lichotka:               1. Marczin Lichotta,
4. Jacub Jacubcigk
selbst und ein Sohn:  5. Jan Jacubczigk 
zwei Söhne von Jedam Zemiancigk:          8. Pawel Simmancigk, und 9. Marcin Simmancigk,
ein Sohn von Nicolay Korbancigk,             11. Jacob Kopancigk

im Umkehrschluss heißt das, dass 5 Familien, 5 Besitztümer, 5 Häuser - ganz abgesehen davon, dass die "Immobilien" abgebrannt und zerstört sind - leer stehen.

––––––––––––

2.

"14 Huben besitzet jetzo Pawel Guttowskÿ" - heißt es - getrennt und abgehoben von den 16 Huben der anderen 12 "Wirths"-Leute in Diebowen.

Pawel Guttowski ist der Sohn vom "Seel. Paul Gutt, gewesenen Rosinsch Land Cämer"
und der wiederum der mutmaßliche Sohn von Jacob Guttowski

Die "Guttowsker" gehörten zu der polnischen "Szlachta", einem Adelsgeschlecht vom Wappen Slepowron. Waren Sie "Churfürstliche Bediente" - war das allein schon "Adel". Das polnische Adelsprädikat -ski legten sie selbst oder die Sitte der preußischen  "Schreiber" ab - und so waren sie eben die Gutt - aus Gutten. 

So sind die Guttowsker in Diebowen eben abgehoben von den anderen Freyen und Wirthen, werden gesondert aufgeführt. Ob sie im Dorf auch ein abgesondertes "Leben" führen ist unwichtig. Sie haben aber - und können es sich leisten - "Dienst Gesinde, Knecht, Jung, Dienstweiber, Mägde, Dienst Mädchen, mehrere Unterthanen". 

Vom - von den anderen "Freyen", "Wirthen" deutlich unterschiedenen - Besitzer der 14 Huben, dem "Seel. Paul Gutt, gewesenen Rosinsch Land Cämer" ist sein Sohn, Paul von 9 J. im Oktober 1656 entführt worden.
(Der jüngere Bruder Jacob ist ein anderes Kapitel - und von seiner wahrscheinlich auch verschont gebliebenen Gemahlin "Pania Matke Ewa urodzona (geborene) Bylowna" erfahre ich erst bei ihrem Tod aus dem Rosinsker Kirchenbuch.) 
Dort im gleichen Kirchenbuch ist am 17. Juli 1711 von diesem Sohn Paul bei seinem Tod
- nun polnisch - von "Pan Pawel Guttowskÿ" die Rede.  

Dieser "Paul" kommt als einer von (soweit bisher bekannt) 4 Entführunsopfern aus Masuren nach "über 10 Jahren" aus der "Tartarischen Dienstbarkeit" (in der Türkei?) wieder zurück.

Ein enormer Wiederaufbauwille eines "Adeligen" steckt dahinter.
(Der jüngere Bruder Jacob aber hat die Zeit in "selbiger total ruinirten Huben" resignierend verschlafen. Er lässt die väterliche Scholle "wüst" liegen und geht lieber zur Miliz.)

Nun aber interssiert, ob und wie sich dieser Wiederaufbauwille in Zukunft ausgewirkt hat.

2.1
Paul versucht also seit seiner Rückkehr (etwa um 1770/71) den Wiederaufbau. 

2.2
Laut Kirchenbuch ist der jüngste Sohn von 
Pan Paul/Pawel Guttowsky nobilis et Mater Maria wieder ein Pawel bzw. Paul, *03.08.1710In den General-Hufenschoß-Protokollen von 1718 wird Paul Guttowskj  als "Cöllmer" mit 5 Hufen aufgeführt. Paul wird an anderer Stelle als "Paul Soldat" geführt.
Die älteren Brüder Stanislaus *1693 (†?), Cristian *1701 und Jan *1707 haben offensichtlich kein Interesse in "diesem Erbe".

2.3
Im Kirchenbuch (16.11.1746) wird Jan noch "adelig" geführt, ab 1749 nicht mehr:
      H Jan Guttowsky Mater Frau Dorothea geb.Turowski - H = Herr
am 17.10.1754 - in neuer Ehe - 
      H Jan Guttowsky Pater Mater Anortha Orlowskina gebohr. Turowskin

Im Kirchenbuch am 25.06.1750 steht für den Pawel "miler" = Soldat

2.4
In 1753-1759 XX HA PT Drygallen 2 werden als Cöllmer in "Dibowen" Jann und Paul Guttowsky mit je 1 H 15 M genannt - ihr Besitz hat sich also erheblich verkleinert
(Paul hatte 1718 noch 5 H)

2.5
In 1763-1769 XX HA PT Drygallen 3 erscheint nur noch Paul Gutowski mit 1 H 15 M Cöllmisch bzw. 3H, 11M u. 155R(uten) nach neuen preußisch Maaß

Jan Gutowski aber gar nicht mehr -

2.6
in 1766/67 XX PT Johbg. Nr. 3 gibt es überhaupt keinen Gutowski mehr in Diebowen.

Damit scheinen die "adeligen" Gutowski Nobilis in Diebowen
ab ca. 1770 ausgestorben zu sein.

3. 

"ausgestorben" bzw. 1698 nicht als "Besitzer" genannte sind: 

alle als Dienst Gesinde und Unterthanen des "Seel. Paul Gutt" genannten Personen, 
3 + 1 Knechte, 6 Dienst-Weiber, -Mädchen, Mägde
von dessen "Unterthan" Marcin Kulawy sind 1 Sohn 9 J und 1 Tochter 15 J entführt.

Das ist ein gewaltiger sozialer Wandel. 
Nach der Tartaren-Katastrophe kann sich niemand mehr Dienstgesinde und Unterthanen leisten.

4. 

(fast) Zwei kompette Familien aus Diebowen sind entführt worden:

Matthes Zaberczigk, entf. von 30 J., nebst seinem Bruder Jacob 15 J. seinem Sohn Casper 10 J. seiner Tochter Frima - seine Frau geschändet und erschlagen?
Nicolay Korbancigk, entf. von 36 J., nebst seinem Weib Anna von 34 J., zwei Töchter Catharina, 15 J., Dorothea, 5 J. seinen Söhnen Jendrzey, 13 J. Pawel 11 J.


5.

Zurück blieben 6 Männer ohne ihre Frauen - die Familie entführt - aus folgenden Familien:

Jendrzey Stio,          entf. aber sein Weib Anna von 24 J.
Jedam Zemiancigk     entf. sein Weib Katharina 25 J. und seine Dienst Magd Kascha
Michal Scepancigk     hier ist die komplette Familie, sein Weib Anna 48 J., drei Töchter 22, 11 u. 4 J., fünf Söhne 20, 14, 9, die Zwillinge von 8 J. entführt worden,  
Michal Scepancigk      entf. sein Weib Anna 48 J. sowie 3 Töchter und 5 Söhne
Woytek Scepancigk,   entf. sein Weib Anna, 36 J.
Jan Bednarz,              entf. sein Weib Barbara 40 J.
                                 dessen Instmann Matth. Gryginczigk, 25 J.. 

6.

8 Familien - zumindest in Diebowen - sind somit 1656 praktisch ausgestorben
Reste sind vielleicht bei Verwandten in den Nachbardörfern "untergekrochen".

7.

Auf die "wüsten" Huben sind (bis 1696) 6 andere Besitzer "neu hinzugekommenn":
2. Marzcin Konnigk,
3. Jann Michalcigk, 
6. Jendzeÿ Gutowciken Kinder
7. Marcin Grella, 
10. Jann Skramma, 
12. Jendrzeÿ Gu?o (Guko)

Wer von diesen schon vorher da gewesen war und nur von den "Tartaren" verschont blieb,
z.B. die Jendzeÿ Gutowciken Kinder, ist Spekulation.

Der "Wirth" Jendzeÿ Gutowski mit kleinem Besitz könnte ein jüngerer Sohn des Jacob Gutowski und Bruder des "Seel. Paul Gutt" sein.
Die Namen seiner Kinder bleiben weiter im Halb-Dunkel:
     Eine   Ada Gutowski ist am 28.09.1727 Patin
     Ein    Emil Gutowski iat am 04.05.1755 Pate - beide sind nicht Kinder des Pan Paul/Pawel Guttowskÿ

184 Jahre nach dem Kauf, 

im Jahr 1698

heißt es in einem Bericht des Amtes Johannisburg: 

 

Quelle: GSTA PK XX HA Ostpr.Folio Nr. 418

Beschreibung Dörfer Güter Sozinianium d.Urkunden (2 Bde.) 1698)

 

DIEBOWEN

soll gemeeß denen Ambtsrechnungen 30 Huben haben allß

16 Huben 

undt 1 Hube Übermaß hat George von 

Kolbitz anno 1514 zu Magdeburgischen Rechten 

der Kauffet, davon Sie einen Dienst thun,

geben 1 ß Urkundt 8 xxx Korn 16 xxx Gerst, 

auch 1 Pfund Wachß und Scharwerken gleich 

anderen Freÿen, denen besitzern ist das

Privilegium im Kriege von Händen kommen 

ist aber im Haußbuch eingeschrieben gefunden, 

davon die Abschrift Sub nr. 88 mit grhrt

 

14 Huben 

haben die Zwalliner nach dem Bericht in 

denen Ambts Rechnungen gehabt, von welchen 

Ihnen ao: 1598 gegen Abtretung einer Mühle 

auff dem Fluß Johannisburg weillen durch die 

Stauung dem Churfürstl. Hause Johannisburg 

Schaden geschehen, vom Scharwerk Pflug getreÿdich 

undt anderen Pflichten befreÿet, darüber ist 

aber keine Verschreibung vorhanden, diese 

14 Huben besitzet jetzo Pawel Guttowskÿ

 

Die 16 Huben werden ietzo von 12 Wirths bewohnet alß

1. Marczin Lichotta,
2. Marzcin Konnigk,
3. Jann Michalcigk, 

4. Jacub Jacubcigk,
5. Jan Jacubcigk,

6. Jendzeÿ Gutowciken Kinder, 

7. Marcin Grella,
8. Pawel Simmancigk,
9. Marcin Simmancigk,

10. Jann Skramma,
11. Jacob Kopancigk,
12. Jendrzeÿ Gu?o (Guko)

 

Die rot geschriebenen Familien-Namen gehören zu den "übrig gebliebenen" von 1656.


zum Vergleich der Namen hier die Namen der Käufer von 1514

Joseph, Jhaen, Peter, Matz Kolodzey, Stannik, einem weiteren Jhaen, Micoly, einem zweiten Stank und einem weiteren Janny, alle aus Rosinsko ("aussem Roschinsken")

Quelle: Grzegorz Bialunski,

Bevölkerung und Siedlung im ordensstaatlichen und herzoglichen Preußen
im Gebiet der "Großen Wildnis" bis 1568
S. 62

Quelle obiger Listen der Entführten: APG NF Bd 13 Jg 1982, Seite 152, 153


Quelle: GSTA PK - XX Ostpr. Fol. 418 (1698)

In dieser Quelle werden die Einwohner von Diebowen und Kibissen im Jahr 1698
- 42 Jahre nach dem großen Aderlass von 1656 - aufgezählt - siehe oben:

in Diebowen:

"diese 

14 Huben besitzet jetzo Pawel Guttowskÿ" - der 1691 schrieb: "……weill ich zu damahliger Zeit von dem Erbfeinde in die Tartarey gerathen, woselbsten leider! über 10. Jahre lang gefangen gehalten - worden, bei meiner wiederkunft von selbiger total ruinirten Huben ………"

 

Die 16 Huben werden ietzo von 12 Wirths bewohnet alß

1. Marczin Lichotta, 2. Marzcin Konnigk, 3. Jann Michalcigk, 

4. Jacub Jacubcigk, 5. Jan Jacubcigk, 6. Jendzeÿ Gutowciken Kinder, 

7. Marcin Grella, 8. Pawel Simmancigk, 9. Marcin Simmancigk,

10. Jann Skramma, 11. Jacob Kopancigk, 12. Jendrzeÿ Gu?o (Guko)"

 

die Auflistung in "übrig geblienen",
Ausgestorbenen und Entführten
sowie neu hinzu gekommen für Diebowen s. weiter oben


Das gleiche nun für 

 

Kibissen:

 

"Die Huben werden itzo (1698) von 8 Wirth bewohnert allß

1. Simann (Simon) Guttowskÿ, 

auffallend ist, dass hier nur der Vorsteher ("protata") Simon Guttowskÿ benannt ist und nicht der seit 1689 im KB mehrfach erwähnte Jann mit Kath:  Guttowsky und "Adam Guttowskÿ et Mater Kath: z Kybißow"

Vielleicht wohnen alle 3 Familien in einem Haus und Simon Guttowskÿ ist der "Besitzer", Haushaltsvorstand.

2. Pawel Karrasch, 

3. Woytek Maczkoic, 

4. Michael Dobcigk,
5. Marcin Michalcigk,
6. Jendrzey Michalcigk

7. Jan Laduga
8. Matteus Laduga

Die rot geschriebenen Familien-Namen gehören zu den "übrig gebliebenen".

 

 

Zu Kibissen hier wieder der Vergleich des Bevölkerungsstandes zur Zeit der Entführungen im Jahr 1656 und im Jahr 1698: 

1.

 

1698 sind 4 bzw. 5 von 9 Familien-Vorständen "übrig Gebliebene"

ein Sohn von Paul Gutt,       1. Simann (Simon) Guttowskÿ, (zu Jann und Adam ? - s.o.)
                                        3. Woytek Maczkoic - aber ohne sein Weib Dorothea, 30 J.

Nachkommen von Jendrzey oder Matthes Michalczigk 
                                        5. Marcin Michalczigk
                                  und 6. Jendrzey Michalcigk

Nachkommen von Piotr Laduga, 
                                         7. Jan Laduga
                                   und 8. Matteus Laduga

 

2. 

 

 

Besitzer war hier auch der "Seel. Paul Gutt, gewesenen Rosinsch Land Cämer",
denn er hatte hier drei "Unterthanen", davon sind 2 entführt worden:

Jan Iwanczigk, entf. 40 J. (Seel. Paul Gutt Unterthan)
Jan Minodunek, entf. von 30 J.- nebst Woytek (12 J.) und Sophia (14 J.)

Jan Kibiß - der Namensgeber von Kibissen - obwohl nicht entführt scheint ausgestorben zu sein

 

3. 

"ausgestorben" bzw. 1698 nicht mehr als "Besitzer" genannte sind:

5 Männer, 3 "Unterthanen" s. o. und 2 Freye, Familienvorstände aus Kibissen, sind entführt worden: 

Woytek Jacubczigk, entf. von (?) J. 
Jendrzey Michalczigk, entf. 45 J. 

 

4.

Zurück blieben 6 Männer ohne ihre Frauen - die Familie entführt - aus folgenden Familien:

Piotr Laduga, entf. aber sein Weib von 30 J.
Woytek Maschkoys, entf. sein Weib Dorothea, 30 J.
Paul Gutt, entf. sein Weib Anna von 25 J. 

 

 

 

 

Auf die "wüsten" Huben ist ein anderer Besitzer "neu hinzugekommenn":
4. Michael Dobcigk


Der Vergleich in beiden Dörfern macht deutlich, wie sehr sich die Bevölkerung in den 42 Jahren verändert hat.

Versuchen wir uns vorzustellen, was in den 42 Jahren zwischen dem Tartarischen Einfall (1656) und der amtlichen Aufzählung der "Zahlungspflichtigen" Einwohner (1698) geschehen ist. 


 

Für alle Dörfer gilt:
Die jungen Frauen und Mädchen sind entführt. Es wird lange dauern, bis wieder Kinder geboren werden und das Dorf anfangen kann zu "leben". 

NB. Trotz der "vielen" Guttowsky in Diebowen und Gutten heiratet nur jeweils einer,
kann (!) nur einer wegen des Frauenmangls nur heiraten: Pan Paul/Pawel Guttowskÿ nobilis seine Maria in Diebowen und Maciey Guttowskÿ seine Dorothea in Gutten.
In Kibissen hat der
Jann Guttowskÿ seine Kath: und zwei Töchter, Maria und Sophia,
Adam und sein Kath: eine Anna *1689
Simon Guttowskÿ seine Lehna den Erben Michal *1701, eine Sophia *1704 und erst 8 Jahfe später, 1712, noch eine Anna (meine 6xUr-Großmutter) - nur wenige Kinder!

Was alle nach dem Tartarischen Einfall tatsächlich vorfinden,
sind Reste 
niedergebrannter Häuser, verlassene Ruinen, primtive Provisorien von Behausungen, brach liegendes verbuschtes Land
und darin eine Ansammlung antriebsloser Männer, hilfloser alleinerziehender Väter zufällig von den Tartaren nicht erschlagener, aufgespießter Säuglinge und Kleinkinder, denen der Sinn für Arbeit verloren gegangen ist, die nicht gelernt haben zu kochen
- und - auch den Alkohol.

Und 1691, 35 Jahre später (!) heißt es immer noch, dass
"……seine zu Dibowen gelegene 14 Huben, so inzwischen ganz verwachsen und wüste worden,"
und dass er sie "wieder beziehen und bebawen wolle, ……"

Es hat sich an den Lebensverhältnissen seither anscheinend nicht viel geändert. Die Huben bleiben wüst liegen, der Wiederaufbau kommt nicht voran. Es bleibt offensichtlich nur der starke Wille Einzelner wie des Paul - und in Gutten seines Verwandten Maciej Guttowsky -und eine grundlegende Änderung der Einstellung zum Leben und des Bildungsniveaus.

Hat sich vielleicht etwas darin geändert? In den rund zwanzig Jahren muss sich doch etwas verändert haben! 

Nach meiner "Einsicht" sind es zwei grundverschiedene Dinge.

1. Seit dem Tartarensturm ist auch die Verwaltung des Amtes Johannisburg zunächst wie gelähmt. Der Kurfürst aber strebt ständig weiter nach Macht und Glanz und betreibt seit 1696 die Idee König zu werden - und krönt sich selber im Jahr 1701 als Friedrich I. von Preußen. Dazu braucht er vermehrt Geld, - unter anderem für das "Bernsteinzimmer" als Geschenk für Zar Peter den Großen - das soll nun gewissenhafter eingetrieben werden. Nun sollen wieder vermehrt Steuern und Abgaben, "gescharwerkt und das Pflug Getreÿdich abgegeben und andere Pflichte" geleistet werden. Das trifft sowohl die kleinen "Freyen" Bauern in dieser schweren Zeit hart wie auch erst recht die "Besitzer" wie die Brüder Paul und Jacob Guttowsky. 

2. In dieser Zeit - gut 100 Jahre nach der Einführung der Reformation - muss wohl ein entscheidender kultureller Wandel auch "auf dem Land" stattgefunden haben. Der Brief des Paul zeugt davon, dass er nämlich nicht nur "schreiben" gelernt hat, sondern sich im Sprachgebrauch der damaligen Amtssprache bestens auskennt. Ich tippe darauf, dass der mit 9 Jahren entführte und im Alter von  20 bis 23 Jahren nach Diebowen zurück gekehrte Paul entweder schon in der Türkei oder jetzt "in die Schule gegangen sein" muss. Ich tippe als "Lehrer" - die Schulpflicht wird zwar erst im Jahr 1717 durch den "Soldatenkönig",  Friedrich Wilhelm I., eingeführt - dabei als Förderer auf die Pfarrer Thomas Molitor und Simon Meinicke, die von 1656 bis 1682 bzw. 1682 bis 1718 Pfarrer in Rosinsko

 

 

Doch noch einmal zwei Schritte zurück:

Von den Guttowskern in Diebowen heißt es nach einer anderen Quelle 

- VfFOW SoSchr. 67:

    "Im 16. Jahrhundert (1514) erwerben und besitzen die Czwalinna zu Czwalinnen lt. einem amtlichen Bericht aus dem Jahr 1700 auch die Hälfte (14 Hufen) des 30 Hufen großen 1514 verschriebenen Dienstgutes Diebowen im Ostteil des Amtes. Weil sie veranlasst wurden, ihre Mühle am Johannisburger Fließ abzubrechen - sie war der Bewässerung der Wiesen oder der Schiffahrt hinderlich - werden sie im Jahr 1598 für ihren Teil an Diebowen von Scharwerk und Pflugetreide befreit. "nachmals" (wann ?) hat nach diesem Bericht vom Jahre 1700

Jacob Guttowski

- des Amtshauptmanns Vater (welches ist nicht erkennbar*) - 

diese 14 Hufen gehabt."

Ein Amtshauptmann dieses Namens ist nicht festzustellen.
(In neben- und unten stehendem Dokument ist von Paul Gutten Ambts "? Heinrichs ?" und LandtCämmerer die Rede. "seine zwey Söhne" sind Pawel und Jacob Guttowsky - die ungleichen Brüder.)

Jacob Guttowski muss etwa um 1560 geboren sein und "könnte" ein Sohn des Paul I. / Pauel Gutt Land-Cemmer sein.

Er "könnte" aber auch - der Nähe zu den Wassermühlen der Zwalliner "aufem Fluss Johannisburg" (der Pisa/Pisz) wegen - ein Sohn der Drygaller Guttowski's sein, der die Nähe zu seinen "Verwandten" im Rosinschen sucht - oder gar einer, der ganz neu aus Masowien ins Rosinsche Kirchspiel wechselt. 

Der Sohn von Jacob Guttowski ist aber - mit größter Sicherheit - der (oben) bei dem Tartarischen Einfall und den Entführungen - offensichtlich "berühmte" - so genannte:

"Seel. Paul Gutt, gewesenen Rosinsch Land Cämers"

(Mit einiger Sicherheit nehme ich an,
dass dieser zwar nicht des "Amtshauptmann Vater" ist,
aber vergleichbar hoch gestellt und angesehen:
"Ambts-Heinrichs" ?

s.u.)

 

Besonders fällt dies im späteren Rosinschen Kirchenbuch auf:

Ab dem Geburtseintrag vom 7. Juli 1697, der "Zofia", dem ? vierten Kind  bis zum letzten Kind 1710 des Pawel (III.) heißt es im Gegensatz zu allen anderen Guttowsky's in Gutten und Kiebissen 

Parentes Pawel Guttowsky Nobilis et Mater Maria z Dybowo

Der Eintrag lautet auch P Pawel oder Pan Pawel Guttowsky. Diese besondere Adelstitulierung setzt sich fort bis 1746 - z.B. "Pater H Jan Guttowsky Mater Frau Dorothea Turowsky" auch bei vielen  Patenschaften "in vornehmen Kreisen", auch der Conjux/Ehefrau: z.B. 1707 "Maria Pantha Guttowskiego Matsonka z Dybowo".

Damit setzen sich alle späteren Diebower Guttowsky signifikant gegenüber allen anderen Guttowsky in Gutten und Kibissen ab. 

Die "Guttowsker" sind offensichtlich im Ambt Johannisburg bekannt. Der "Sohn" muss so bekannt gewesen sein, dass die ehrenvolle aber offensichtlich falsche Bezeichnung "des Amtshauptmanns Vater" nicht korrigiert zu werden brauchte. Wer aber ist der Sohn? 

Jacob Guttowski ist zwar nicht des "Amtshauptmanns Vater" aber Vater des "Seel. Paul Gutt". Von ihm heißt es im "Beständnisbuch Diebowen" - XX Ostpr. Fol. 208 a - von 1717 u.a.:

" …… Diese 14 Huben der Zwalliner, sind nach mahls an ihre Freunde die Guttowsker gelanget, und sind nach Absterben des Paul Gutten Ambst Feinrichs und LandtCämmerers nach zweÿ Söhne verblieben. ……" - s.u. -

"Ambts-Feinrich ? Ambts- Heinrich ?" -beide Lesarten und die Amtsbezeichnung sind bisher ungeklärt      (vergl. H bei "Hierüber ist ………" - und F bei "…… an ihre Freunde")

Paul Gutten ist der unten etwas näher beschriebene "Seel. Paul Gutt", seine zwei Söhne Paul und Jacob noch weiter unten.

 

Seel. Paul Gutt, gewesenen Rosinsch Land Cämer - "Paul II."

*um 1600 - † vor 1656 oder 1656 durch die Tartaren

in der Zeit von Georg Wilhelm von Brandenburg (1690-1640)

und Kurfürst  des Großen Kurfürsten (1640-1688)

Alles, was ich von ihm bisher weiß, geht aus der offenen Frage zu seiner Amtsbezeichnung - s.o. - und der Auflistung der im Jahr 1656 von den Tartaren entführten "Einsaaßen" aus Diebowen - s.u. - hervor.

Da dieser "Seel. Paul Gutten", als Besitzer in zweiter (oder dritter) Generation in Diebowen auf dem Höhepunkt seines Wirkens und  offensichtlich ein über Diebowen und das Rosinsche Kirchspiel hinaus bedeutender Mann war, möchte ich gerne noch mehr von ihm wissen. 

Aber woher?

Ich kann nur konstruieren:

Paul Gutt,

= Paul II., ist der oben genannte "Ambst Heinrichs/"Heinrichs" (?) und LandtCämmerer" 

ist Land Cämmerer wie der "Verwandte - Seraphin Guttowskj" aus Gutten? s.dort -

ist der Vater des 1656 mit 9 Jahren entführten und wieder zurückgekehrten Sohnes Pawel (Paul III.) und des nicht entführten Jacob.

Er ist Besitzer der 14 Huben seines Vaters Jacob Guttowski mit einer ganzen Kompagnie "Dienst Gesinde" sowie weiteren "Unterthanen" auch im Nachbarort Kibissen (wie kein anderer) in den Berichten der Entführten von 1663. Mehr ist von ihm derzeit nicht bekannt.

Halt! Da gibt es noch einen nicht unbedeutenden Nachtrag:

Von keinem der lieben Ahnen bisher und erst 80 Jahre später bei der 3xUrgroß-Oma Barbara - kenne ich die Namen der Ehefrauen. Aber "Frau Gutt" - Verzeihung - 

Pania Matke Ewa urodzona (geborene) Bylowna (von Bylow ?)

fand ich im Kirchenbuch Rosinsko. Sie muss uralt geworden sein, wenn das geratene Geburtsjahr des "Seel. Paul Gutt, gewesenen Rosinsch Land Cämer - (und Ambts H/Feinrichs)1600 einigermaßen stimmen sollte.

Ihr Sohn Pan Pawel Guttowsky zu Diebowen (Paul III.) hat sie am 18. Januar 1705 beerdigt.

*ihre Geburt wäre danach geschätzt etwa 1620 gewesen,
die Geburt vom Sohn Paul III. 1647
d 18 Januarij (1705) Sepult
Pan Pawel Guttowsky z Dybowa Pania Matke
Ewa urodzona Bylowna z kościół pochowat
am 18. Januar beerdigt
"Herr" Paul Guttowsky aus Diebowen "Frau" Mutter Ewa geborene Bylowna bei der Kirche (in Rosinsko)

Der "Seel. Paul Gutt" scheint im Sinne von "Aufstieg" in der Reihe der bisherigen Gutowskis auf dem höchsten Ast des Stammbaums zu sitzen und einige Wertschätzung*) im Ambt Johannisburg zu haben. 

*) "Ambst Heinrichs/Frinrichs"
was auch immer diese Titulierung besagt haben mag

Dann aber kamen im Jahr 1656 die "Macht-Politiker", der zweite Schwedisch-Polnische Krieg 1650-1660/61 um die Vorherrschaft im Baltikum und mit ihm die Hilfstruppen für die schmutzige Arbeit, die Tartaren.  Damit war der tiefe Fall programmiert. Seine beiden ungleichen Söhne / Brüder Paul III. und Jacob - sowie alle Überlebenden - müssen danach den Wiederaufstieg versuchen. 

Jetzt wird die Familien-Geschichte wirklich spannend, weil relativ viele Dokumente im GSTA PK von den Guttowskern dieser Zeit vorliegen. 

Den schweren Wiederaufstieg versucht nun

Pan Pawel Guttowsky - Paul III. 
er wird im Oktober 1656 von den Tartaren im Alter von "9 J." entführt
*also ~1647 - † 19.07.1711

Kurzfassung seines Lebens aus den Archivalien - s. dort:

Paul III.

"…… welcher mit seinen Brüdern ao 1656 in die Tartarische Dienstbarkeit weggeführet …"

und "über 10 Jahre" (nach 10-14 Jahren) 

"aus der Tartarischen Dienstbarkeit alldort ohnlängst wieder angelanget" - 

schreibt der Oberrat d. Preuß. Regierung am 04.10.1691 und Churfürst Friedrich III. am 24.10.1691.

Paul Gutowsky selbst schreibt in einem "Erinnerung"-Brief - ohne Datum (etwa Anfang 1690) - an einen "Patroni" und  "Hochgeneigten Herrn Ober Secretarie" bei Kurfürst Friedrich III von Brandenburg und späteren König Friedrich I. von Preußen:

"……weill ich zu damahliger Zeit von dem Erbfeinde in die Tartarey gerathen,
woselbsten leider! über 10. Jahre lang gefangen gehalten - worden,
dass er
bei meiner wiederkunft von selbiger total ruinirten Huben ……"

vorgefunden hat und sucht nach um

"…… 10 Jahr lang von allen Contributions Beschwerden undt anderer sich begebenden onera,
von Ew. Churfürstl. H(oheit) allergnädigst befreyt zu werden ……"

Die "edlen Räthe" bekommen daraufhin "d. 24 Octobr 1691" Order von

"Gottes gnaden Friderich, der Dritte, Marggraf zu Brandenburg, des Heyl. Röm. Reichs Ertz-Cammerer und Churfürst in Preußen, zu Magdeburg, Cleve, Jülich, Berg, Stettin, Pommern & Hertzog,

dass dem Gesuch des 

aus der Tartarischen Dienstbarkeit alldort ohnlängst wieder angelangete (n) Einsaße Paul Guttowski, wegen der "Zuwiederanbawung" Seiner Verwüsteten Huben verlangten Zehen Jährigen freÿheit

…… solche freÿheit dem supplicanto verstattet, und Er, wehrender dieser zehen Jahre mit den gemeine oneribus (Pflichten) gebethener maßen verschont werde.

Diese "freÿheit" hat er genutzt, sehr spät eine "Mater Maria" gefunden und mit ihr Kinder bekommen und seinem - letztem ! - Sohn Pawel *03.08.1710, Cöllmer Paul Guttowskj, 5 Hufen - von ursprünglich 14 Hufen des mit seinem Bruder Jacob geteilten väterlichen Besitzes - hinterlassen.

Sein Tod entspricht so ganz und gar nicht seinem Leben und ist doch wieder typisch für seine Geschichte und die aller anderen Guttowskern: 

Im Pestjahr 1711 - auch der Pfarrer - Simon Meinicke (1682-1718) - scheint unabkömmlich, selbst krank ? - wird Pan Pawel Guttowsky - als einer unter vielen in den Pestjahren 1709-1711 - beerdigt:

d 19 Julj Sepult:
P. Pawel Guttowsky z Dybowo Dziewka Catharyna  
Niebosczyka Albrechta Sejby z Kotow …………?
Corke na Cmentarzu dat pochowa
 
19. Juli 1711:
Pan Pawel Guttowsky aus Dybowo von der "Dziewka"*) Catharyna, 
des verstorbenen Albrecht Sejdy aus Kotow (Kotten b. Bajtkowo Lyck)
Tochter auf dem Friedhof an dem Datum begraben.

*) ein Dorfmädchen, eine Magd, eben zu dieser Zeit eine Dziewka.

Etwa im Jahr 1670/71 kehrt Paul Guttowsky zu Fuß oder zu Pferd, allein oder "mit seinen Brüdern" die 1.500 km (Luftlinie) von der Krim oder der Türkei - wie aus den Berichten anderer Entführte hervorgeht - nach Masuren, ins Rosinsche zurück*. Was er - nicht nur vom Besitz des Vaters - vorfindet, ist verwüstetes Land, Stümpfe von abgebrannten (Holz)-Häusern und meist resignierte und hilflose Übriggebliebene wie seinen Bruder Jacob. 

*Berichte von den wenigen anderen Zurückgekehrten hier

Besitzer von diesen oder jenen Huben, Wiesen, überwucherten Äckern, Trümmern von Häusern zu sein, spielt jetzt keine Rolle - das Johannisburger Ambt ist so langsam wie jede andere Bürokratie. Es geht vorerst ums Überleben. Da ist aber vor den Ruinen der Häuser der Dybower See mit seinen Fischen, am südlichen Ende des Sees bis hin nach Gutten viel Wald, das dem Vater und jetzt auch ihm "gehört" - und - schon bald kommt der nächste Masurische Winter.

Paul hat die Strapazen der Flucht geschafft, jetzt aufgeben ist nicht seine Sache und wäre auch nicht seinem Vater in den Sinn gekommen. Das ist gegen den Stolz eines "Szlachta" mit dem Wappen Slepowron. Er findet außer dem resignierenden Bruder Jacob im Nachbarort Gutten einen Verwandten, Maciej/Mathes (I.), vor. Zusammen mit ihm, von 1667 bis 1690, der ersten dokumentierten Nachricht von ihnen - sind es 23 harte Jahre des Wiederaufbaus. Paul bleibt im väterlichen Dybowen, Mathes, der etwa Gleichaltige lebt in Gutten bei den Resten des väterlichen Besitzes dort. Sie haben sich auch eine gediegene Schulbildung angeeignet und sind würdige und selbstbewusste Nachkommen des "Seel. Paul Gutt". 

Inzwischen hat auch jeder von ihnen ein Frau gefunden, Paul seine Maria und Maciej / Mathes, etwas früher seine Dorothea - und die ersten Kinder kommen auf die Welt.

Da wachen "die in Johannisburg", getrieben "von denen in Königsberg", auf und wollen Steuern kassieren. Paul tut das, was sein Urgroßvater vor 100 Jahren auch getan hat: er versucht es mit dem "Patroni", als der in Johannisburg ist und als der nichts von sich hören lässt schreibt er einen formvollendeten Brief. Den gibt er - so meine Spekulation - dem Verwandten Mathes mit auf den Weg nach Königsberg, als Mathes zusammen mit Andreas Orlowsky und Jan Lepak als Abordnung aus dem Rosinschen Kirchspiel hoch zu Rosse oder wie auch immer nach Königsberg zur zwei Jahre verspäteten Huldigung - am 24. Mai 1690 - von Churfürst Friedrich III. zur Huldigung einbestellt wird.

Die ganze Korrespondenz über die Befreiung von Lasten hier.

Und - hat Erfolg:

"Pan Paul/Pawel Guttowsky et Mater Maria geb. Bylowna nobilis" können - zusammen mit ihren Kindern (soweit diese nicht in frühem Alter gestorben sind)  - bis etwa 1701 ihren Besitz in Diebowen ohne Steuern und Abgaben langsam und leichter weiter aufbauen und werden noch weitere 10 Jahre bis zum nicht einkalkulierten Tod durch die Pest (1711) ihre wachsende Freude daran gehabt haben. 

Unterschrieft von Pan Pawel / Paul Gutowsky - *1647 - †19.07.1711

Die Familie von 

Pan Paul/Pawel Guttowsky nobilis et Mater Maria (†AFT 1719)

*~1647 - †19.07.1711


Kinder

? Leyka Guttovßczanka z Woytelow Patin ?

Barbara *16.09.1691
Stanislaus *13.05.1693
Maria *14.08.1695
Zofia *07.07.1697 - Patin 03.02.1725 
Cristian *16.08.1701
Elßa *05.09.1703-†09.05.1706
Jan *07.06.1707

Jan ist am 21.09.1727 Pate bei Michal P Jakub Karasch et Anna Dorothea Bucelovsczanka z Tackow
14.03.1744 Pate bei Adam tvielzek Mater antin geboh senelloven. Felicia 
Susc, Jan Guttowskj …… Paul Guttowsky f. Soldat

Pawel *03.08.1710- am 14.03.1744 - "Paul Soldat"


Ada Gutowski Patin 28.09.1727
Emil Gutowski Pate am  04.05.1755
Marlisa (Maria Lovisa) Guttowsczanka 1764 Pate



Die Familie von
Pawel Guttowsky *03.08.1710 miler (Soldat) et Mater Susanna

Kinder
Filia Sophia *25.06.1750
Maria Lovisa (Marlisa) *03.04.1752
Estera *04.08.1754
Jan *10.06.1759
2. Ehe Mater: ? Catharina gebohrne Kobilenskaja ? 


Die Familie von
H Jan Guttowsky *07.06.1707 Mater Fr. Dorothea gebohrne Turowsky

Kinder
Maria Lovisa *05.04.1744
Jan *16.11.1746
Friederich *20.02.1749
Mater Anortha gebohrene Turowsky
Catharina *06.06.1751
Gottfried *17.10.1754
Mater Anortra Orlowskina gebohr, Turowskin


 


In den General-Hufenschoß-Protokollen von 1718 wird Paul Guttowskj - der älteste Sohn Pawel? - als Cöllmer mit 5 Hufen aufgeführt - 

der Land Cämmer Johann Borrowÿ besitzt 7 Hufe
und Greger Zakoitz 2 Hufe,
sowie 13 Freye mit je ca. 1 Hufe.

In 1753-1759 XX HA PT Drygallen 2 werden als Cöllmer in "Dibowen" Jann und Paul Guttowsky mit je 1 H 15 M genannt - ihr Besitz hat sich also verkleinert (Paul hatte 1718 noch 5 H)

in den Mühlen-Consignation von 1753-1759
"Paul Soldath" als 1 Erwachsener (= Witwer) mit 2 Töchtern unter 12 Jahren, 
Jan Guttowsky mit 2 Erwachsenen, 2 Knechte und Mägde, 2 Söhne und 1 Tochter unter 12 Jahre 

In 1763-1769 XX HA PT Drygallen 3 erscheint Paul Gutowski mit 1 H 15 M Cöllmisch bzw. 3H, 11M u. 155R(uten)

Jan Gutowski aber gar nicht mehr -

 

in 1766/67 XX PT Johbg. Nr. 3 gibt es überhaupt keinen Gutowski mehr in Diebowen.

Damit scheinen die "adeligen" Gutowski Nobilis in Diebowen

ab ca. 1770 ausgestorben zu sein.

Trotzdem ein Versuch der Weiter-Suche:

Ab PT Johbg 1 - 1763 bis 1769,  bzw. PT Drygallen 4 - 1769 bis 1775 - erscheint ein Jann Guttowski in Nieden (Ruciane.Nida) - 

in PT Johbg 5 - 1781 bis 1787 -  dann als "Wittwe" - zinsfrei

 

und in PT u. M Johbg Nr. 7 - 1791 bis 1803 - (S. 450-451:)

Cöllmische Crüger

- sehr unwahrscheinlich ein Sohn des Diebower Jann Guttowsky *1707
und der Mater Anortra Orlowskina gebohr, Turowskin -
deren Kinder nämlich:
Maria Lovisa *05.04.1744
Jan *16.11.1746
Friederich *20.02.1749
Catharina *06.06.1751
Gottfried *17.10.1754
 
die Verschreibung aber von 1645
und bis 1754 kein Wilhelm
 
 
1. Wilhelm Jann Guttowsky - Cöllmisch 1H - Magdeburgisch 2Hub. 7Mor. 164Rut. - 
Titulus: 
aus der Verschreibung d. d. Königsberg den 12. Juny 1645
als Remarques./Bemerkungen: 
Dieser Krug wird seit undenklichen Zeiten von Laurii Daßek, (?) aus (?) Sehesten mit Getränle verlegt



http://goo.gl/maps/g47zV