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Absteiger und Aufsteiger

nach zwei Katastrophen - dem Tatareneinfall von 1756 und der großen Pest 1709-1711


 

Der Einfall nach Preußen kam aus dem Lyckischen, dem Grenzort Prostken 10 km Luftline, 13 km auf heutigen Straße von Dybowen entfernt. Leicht kann man sich vorstellen, dass es neben Lyck und seinem Umland auch die nächstgelegenen Dörfer Kibissen, Dybowen und Gutten als erste betroffen hat. 

Hier zwei Seiten *) des 41-strophigen Tatarenliedes von Pfarrer Johann Molitor (1656) bis 1682 Pfarrer in Groß Rosinki, dem Kirchspiel, zu dem die Dörfer Diebowen, Kibissen und Gutten (R) gehören, in denen Gutowski’s betroffen waren und als von den Tataren Entführte genannt werden



*) in der 1656 gebräuchlichen Masurisch-Polnischen Sprache, einer Sprache, die auch mein Vater als Kind gesprochen hatte, später benutzte er sie für alle wichtigen nur so ausdrückbaren „Herzensangelegenheiten“ –

 

Das Tatarenlied - (übersetzt und in stark gekürzter Fassung)

Von Johann Molitor (1656) bis 1682 Pfarrerin Groß Rosinski

 

Betrübtes Vaterland! Netze Deine Wangen;/ Denkt, Preußen, was mit euch damals vorgegangen,/ Als man sechzehnhundert sechs und fünfzig zählte,/ Und ein ergrimmter Feind euch empfindlich quälte.

So wie ein Adlerschwarm, kam in schnellen Heeren/ Ein raues Herdenvolk, alles zu verzehren./ Unvermuthet sprengten wilder Barbarn Horden/ Auf raschen Pferden an, um hier frey zu morden.

Die angeschürte Glut schlug in hellen Flammen/ Gleich über Haus und Dorf, Kirch und Stadt zusammen./ Vieh, Gerät und Silber ward hierbey erbeutet,/ Und durch das ganze Land Furcht und Noth verbreitet.

Sein scharfer Säbel hieb alles ohn Erbarmen;/ Der Wütrich riss das Kind aus der Mutter Armen,/ Die mit nassen Wangen kläglich nach ihm blickte,/ Und tiefe Seufzer nur zu den Wolken schickte.

Auf den Feldern irreten armer Waysen Haufen;/ Bestürzet sah man sie durch einander laufen,/ Und gleich jungen Vögeln, wenn sie sich zerstreuen, Mit ängstlich banger Stimm, nach den Aeltern schreyen.

O Vater! riefen sie, lass dich von uns finden./ Geliebte Mutter, ach! kannst du so verschwinden?/ Bis sie matt vom Weinen, matt von Frost und Darben,/ Und allen Trosts beraubt, auf den Feldern starben.

Die Aeltern aber selbst lagen schon in Banden;/ Zur Freyheit war für sie gar kein Weg vorhanden./ Niemand durfte hoffen, sie von Strick und Ketten/ Der harten Dienstbarkeit je zu erretten.

Wie in dem Höllenpfuhl, hat an Händ und Füßen/ Das arme Christenvolk Bande schleppen müssen./ Ehegatten mussten sich gezwungen scheiden,/ Und so getrennt forthin allen Umgang meiden.

Sie wurden hingeschleppt in ein Land der Heyden,/ Um Gram und Ungemach überhäuft zu leiden./ Als sie angelanget, hat man unverweilet/ Den mitgebrachten Raub hier vergnügt vertheilet.

Die du zur Ehe nahmst, wird dein Weib nicht heißen;/ Ein Fremder soll sie dir von der Seite reißen./ Häuser, die du bautest, werden ledig bleiben:/ Denn in ein fernes Land wird man dich vertreiben. …



 

 

Um es dem Land in Zukunft zu ersparen, Spielball mächtigerer Nachbarn zu sein, betrieb Kurfürst Friedrich Wilhelm, später der Große Kurfürst genannt, nach dem Krieg eine vorsichtige Schaukelpolitik zwischen den Großmächten sowie den Aufbau einer schlagkräftigen Armee und einer effizienten Verwaltung.

Im Inneren führte Friedrich Wilhelm Wirtschaftsreformen durch und initiierte umfangreiche Peuplierungsmaßnahmen *), um sein ökonomisch geschwächtes Land zu entwickeln. Unter anderem lud er im Edikt von Potsdam – seiner Antwort auf das Edikt von Fontainebleau König Ludwigs XIV. – Tausende aus Frankreich vertriebene Hugenotten zur Niederlassung in Brandenburg-Preußen ein. Dazu kamen dann im Jahr 1732 die Salzburger Exulanten.

Friedrich II. wird wie folgt zitiert: „Alle Religionen sindt gleich und guth, und mehr die leute, so sie profesieren, ehrliche leute seindt, und wenn Türken und Heihden kämen und wollten das Land pöplieren, so wollen sie Mosqueen und Kirchen bauen“.



*) Peuplierung bezeichnet die planmäßige Besiedlung eines vergleichsweise nicht oder dünn besiedelten Gebietes;
sie ist somit eine Maßnahme der Bevölkerungspolitik.

 

Sieben Jahre nach dem Einfall der Tataren verlangt der Churfürst wegen drastisch gesunkender Staatseinnahmen genaue Auflistungen über den angerichteten Schaden.

Im Folgenden der Bericht.

In den folgenden Listen werden nur tatsächlich Entführte benannt, nicht aber auch anderweitig Ermordete und zu Tode gekommene "Leuthe".

In der Liste stehen an erster Stelle Haushaltsvorstände. Sie gehören nur dann zu den Entführten, wenn das auch ausdrücklich hinter ihrem Namen steht wie z. B. in Gutten bei den jüngeren kräftigen Erwachsenen "Woytek Valtinczigk entf. von 30 J." und "Michal Gkuzek, entf. von 30 J.".

Danach aber folgen die tatsächlich Entführten. Dabei fällt auf, dass es in erster Linien Ehefrauen, Kinder und Jugendliche sind. Zurück blieben lauter Männer - in Gutten eine komplette Altherren-Fußballmannschaft. Ohne ihre Frauen und ohne den Nachwuchs, ist der Bestand der Familie und des Besitzes auf Dauer nicht möglich. 

Um meine "Thesen" zu den nicht ausdrücklich im Kirchenbuch Rosinsko Gefundenen Guttowsky zu untermauern, gehe ich jetzt Dorf für Dorf durch und beginne bei Gutten. 

Hier die Auflistung der Gutter Entführten:

Maciej Guttowsky / Mathes I. aus Gutten bey Borowen ?

These 1 und 2: 

A. Maciej Guttowsky (Mathes I.) stammt von Geburt an aus Gutten.

B. Maciej Guttowsky (Mathes I.) hat auf Rat seines auf den Zusammenhalt des Guttowsky-schen Gesamtbesitzes bedachten Verwandten, des "Krim-Ausreißers" Pan Pawel Guttowsky (Paul III.) aus Diebowen, Teile auch eines anderen wüst und brachliegenden Guttowsky-schen Besitzes in Gutten besetzt. 


Indizien:

1. In Gutten leben die Nachkommen der vier Söhne des Nicolai Guttenn, Marcin, Jan, Pavel und Bartek, denen der Ort - neben vier Söhnen des "Stenzels" - 1538 von Markgraf Albrecht verschrieben wurde.

Behauptung: Maciej ist Nachkomme einer dieser vier Söhne des Nicolai Guttenn!

Von 41 Huben, anno 1538 verschrieben,"davon Sie gleich anderen Freÿen, Neue Häuser zu Bauen, und alte zu brechen, auch das Pfluggetreÿdich zu geben, und einen Ritterdienst außzurichten verbunden sindsoll - lt. Quelle 22.04.1698  ein "Churfürstl. Bedienter *) 13 Huben beseßen haben, davon Er weder gescharwerket noch das Pflug Getreÿdich abgegeben ……"  und  "……Vor dem Tartarischen Einfall hat diese 13 Huben der Saraphin Guttowskj **) Ein Land Cemmer Beseßen, nach dessen und seiner Kinder Absterben, hat solche Andres Guttowskj ererbet", - lt. Quelle 31.08.1699"ein Einsaaß mit Nahmen Guttowsky …… und weiln Er vorhin im Kriege gedienet, nachmahlen seine Erben Vor Landtcämmer sich Geben Gebrauchen laßen".

*) der 3. Sohn Pavel, Pauel Gutt Land-Kämmerer

**) Nachkomme des 1. Sohns Marcin

2. Der "Erbe" der 13 Huben in Gutten bzw. des seit 1656 verwüsteten Besitzes  Andres Guttowsky, *~1640, der sich vor, während oder nach dem Tartareneinfall nach "Kobilienen/Kobylin" verzogen hat, (s. auf der Karte oben) möchte - lt. Quelle 22.04.1698weiln Er aber im Lyckischen wohnet, …… Er die Huben bishero nicht gebrauchet, sondern sie wüst liegen laßen; dahero weder die Contributiones davon gegeben, noch andere Pflichten geleistet worden, wodurch aber Sr. Churfürstl: Durchl: Schaden leiden."  und  "davon 6 Huben aller pflicht freÿ gehen und auf seine beiden Töchter verleÿhen, und die übrigen 7 Huben von Ihnen davor annehmen und Verkaufen Laßen wollen - das wäre für den  im Lyckischen  Kobilienen lebenden Andres ohne männlichen Erben (!) - ein gutes Geschäft, für den Churfürst bzw. König aber keineswegs. 

Andres Guttowsky gehört im Sinne dieses Kapitels zu den Absteigern.
Er verliert das väterliche Erbe. Wahrscheinlich hat sich Andres Guttowsky zu dem ebenso zerstörten Besitz der Familie der Gattin von Saraphin G. (Oma und Opa) und seinen späteren Schwiegereltern in Kobilinnen zurück gezogen - und - das dort ansässig werden scheint ihm nun dort als "Aufsteiger" - wenn auch etwas später - zu gelingen.
Immerhin wird er beinahe "Kollege" von Majiej/Mathes Guttowsky - bloß 24 Jahre später 1714 bei der Erbhuldigung von König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, dem "Soldatenkönig" und musste 1714 auch nicht nach Königsberg reisen. 

u.a. auch in 


3. Maciej/Mathes oder ein anderer naher Verwandter des Andres wird in der Korrespondenz um das "Erbe" nicht erwähnt.

(In der ganzen sich sechs Jahre hinziehenden Korrespondenz zwischen "Königsberg" und dem Johannisburger Ambtshauptmann Carl Wilhelm Fink von Finkenstein  geht es also nur um die Gewinnung von weiteren Einnahmen in die Staatskasse des verschwenderisch lebenden Churfürsten und ab 1701 Königs Friedrich I..)

a. 03.07.1697: Anfrage v. Churfürst Friderich III. durch den Präsidenten der Regierung Eberhard von Danckelmann bezugnehmend auf einen - in den Konvoluten des GSTA PK - nicht mitgeteilten Antrag des Andreas Guttowsky wegen dieser 13 Huben.

b. 22.04.1698: Antwort durch Fink von Finkenstein an den Churfürsten.

c. 31.08.1699: Nochmaliges Schreiben des Ambtshauptmanns Fink von Finkenstein in dieser Sache.

d. 23.01.1703: Wiederholtes Schreiben vom von Fink von Finkenstein in der gleichen Sache.

e. 20.03.1703: Entscheid des Oberrates (König Friedrich I.)

Der Entscheid, dass die 13 Huben "…… weder zu unseren Domaenen geschlagen noch höher alß etwa 40 T. für die hube verkaufet werden können, undt wir dann hero gar keinen Nutzen davon haben würden; alß müßen die iezige Possesores (jetzigen Besitzer)  selbige behalten, und alle prestanda (Leistungen) so wohl de praekito (für die Vergangenheit) alß futuro (wie für die Zukunft) praestieren (leisten) wiedrigenfalß und absonderlich wann Sie Unß in rückstanden und andert nicht solendo (insolvent - Zahlungsverzug) seyn solten / wovon Du ratione Praesteriti (auf die Vergangenheit) ein consignation (Unterschrift) ein zuschicken hast / müßen die Huben Subhaftiert (zwangsversteigert) und an den meistbietenden Verkaufet werden ………

Dieses ganze Hick-Hack um das Erbe des Andres Guttowsky, dass die Andres-schen 13 Huben geht glatt an der Wirklichkeit des Besitznehmen-Müssens von wüstem Land in Gutten durch Maciej vorbei. Ohne dörfliche "Infrastruktur" und "Unterthanen" wie vor 1656 können die jetzigen "Possesores" nicht mehr als 1 Hube für den eigenen Bedarf bewirtschaften, derzeit aber noch keine "prestanda" leisten.

Der "Entscheid" aus Königsberg erleichtert den nach-tartarischen "Einsaaßen" im Rosinschen keineswegs den alle Initiativen fast unmöglich machenden Zustand. Alles liegt seit 1656 wüst und brach, der Boden, die zerstörten landwirtschaftliche Geräte, verfallene Häuser und Scheunen. Knechte und Mägde gibt es nicht mehr; und wenn so gibt es keine Einkünfte, sie zu lohnen. Männer sind schon noch da, eine komplette Altherren-Fußballmannschaft ehemaliger "Besitzer", aber ohne Ehefrauen, überhaupt kaum Frauen und Kinder.

Auch im Jahr der Hufenschoßprotokolle von 1718 hat Enkel Maciej/Mathes II. und mit ihm viele "Freÿe" in Gutten gerade nur 1 H, 15M. Das "Erbe" in Gutten ist nach 1703 längst zerschlagen und steht im Jahr 1718 immer als "Caduc" zum Verkauf an.

Pan Paul Guttowsky hat mehr Glück als der 13-Huben-Erbe Andres: Churfürst Friedrich III. beantwortet sein Ansuchen von 1690 gleich 6 Monate später. Zu dieser Zeit - und auch nicht vorher -  wird die Abgaben und Steuer-Eintreiberei in den verwüsteten Orten im Amt Johannisburg erst so richtig losgegangen sein. - siehe Absatz 5

So wie ich den nach Diebowen - seinerzeit 19-20-jährigen - Krim-Heimkehrer Pan Pawel Guttowsky (Paul III.) einschätze, hat dieser - um 1666/67 - sein Erbe erst einmal tatkräftig aber mühselig und langsam wieder aufgebaut und erst vor 1690 eine Frau gefunden. Maciej/Mathes Guttowsky hatte wenigstens einen kleinen Vorsprung von 10 Jahren vor Pan Pawel Guttowsky (Paul III.). So wird Maciej zusammen mit dem jetzigen Land-Cemmer Andreas Orlowius - auch aus Gutten - und einem Jan Lepak 1690 als Huldigungsreisender aus dem Rosinschen Kirchspiel delegiert.


Welche Motive und Anreize hat der 9 bis 19-jährige Paul, um 1.500 km Fluchtweg von der Krim zurück ins Rosinsche auf sich zu nehmen?

Einem Guttowsker vom Schlage des Pan Pawel Guttowski und Ritter derer von Slepowron lässt sich nicht von Tartaren als Sklave behandeln. 

Mit der Flucht verteidigt er auch die Ehre und den ererbten Besitz seines Vaters, des Land-Cemmers Paul Guttowski (Paul II.)

Er erinnert sich an das Versprechen gegenüber seinem sterbenden Vater, sich für seine zurück gebliebene Mutter Ewa, geborene Bylowna (von Bülow ?) und die kleinen Geschwister zu sorgen.

(All dies ist blühende Fantasie!)

…………… - fehlt nur noch ……… der urkundliche Nachweis eines liebreizenden aber auch standesgemäßen Mädchens, dem der 9-jährige Paul vor seiner Entführung durch die Tartaren 1656 die Liebe gestanden und die Ehe versprochen hat, wegen der er - nicht nur wegen des väterlichen Erbes - die 1.500 km zu Fuß oder zu Pferde von den Krim-Tataren auf sich genommen hat - oder gar mit ihr zusammen ? - dann könnte ich die Ergebnisse meiner Familienforschung samt Quellen, Urkunden und Belegen den Redakteuren von Terra X anbieten - gleich mit publikumswirksamer Lovestory - aber das kann ich nicht; auch nicht fast 100 Jahre, drei Generationen später bei 4xUropa Michael Gutowsky, der nicht nur als Postenjäger und Gold- sprich Hubengräber ins Kumilskosche ausgezogen wäre, sondern zuerst einer "Juliana" errötend gefolgt ist. Es wäre zu schön, denn sein Sohn George Aemilius hatte eine Generation später dieses Glück in Sdorren mit seiner Barbara gefunden.

Die doppelbödige Geschichte von Ab- und Aufsteigern der Zeit von Tatarensturm 1656 und Pest 1711 ergäbe mindestens zwei Folgen dieser Sendung - doppelbödig deshalb, weil Machtpolitik der Regierenden und Leiden, Kampf und Wiederaufrichtung der Menschen in Masuren im 17. und 18. Jahrhundert parallel sichtbar zu machen wäre. 

 


2. Michel Gutt und Jan Gutt - diese bei den Entführungen in Gutten betroffenen "Guttowski's" sind 1663 ohne das Adelsprädikat "owski". Die nachfolgenden Generationen haben den "Adel" - sicher ganz bewusst - wieder angenommen. 1656 waren sie für die Tataren als Sklaven - weil zu alt, krank oder verletzt - unbrauchbar. Von den beiden (Brüdern?) Gutt ist auch unbekannt, was mit ihren Frauen geschehen ist. 

Am 29.04.1696 stirbt in Gutten "ein" Pawel Guttowsky - Vater oder eher Bruder von Michel und Jan? Weil weder er noch Familienangehörige entführt wurden, erscheint er auch nicht in der Auflistung; auch er ist als Kriegsbeute für die Tataren "unbrauchbar". 

 


3. In Gutten gibt es lt. Kirchenbuch ab 1690 außer den "parentes Marcey Guttowsky et Mater Dorothea z Guttow" und dem Eintrag vom Tod eines (anderen ?) Pawel Guttowsky vom 29.04.1696 keine weiteren "Guttowsky".

 


4. Von der Existenz des Marcey Guttowsky - dem Vater vom 1697 geborenen (5xUr…)-Woycieck, Großvater von (4xUr)-Michael Gutowski …………… - weiß ich schon etwas länger, nur nicht, dass er mein 6xUrgroßvater ist, aber dass er im Jahr 1690 einer der drei Abgeordneten für das ganze Rosinsche Kirchspiel war, Reisender in Sachen Erbhuldigung von Churfürst Friedrich III..

Orlowsky's, oben genannter Andrey, aber auch Crystian, Simon, Giskan Orlowsky, der Pfarrers Meinike, Simon Maletin, die Pfarrwitwe Maletinska und viele andere Honoratioren in und um Rosinsko geben sich bei Taufen in allen drei Dörfern gegenseitig die Klinke in die Hand.

Marcy / Mathes I. Guttowsky ist ganz offensichtlich der gleiche, der 1690, neun Jahre vor der Geburt von Woÿcieck, zu "derer Leute (gehörte), so zur Huldigung Sr. Churfürstl. Durchlaucht (Friedrich III. ab 1701 König Friedrich I.) nach Königsberg bestellet sind." Marcy /Mathes Guttowski gehört - auch ohne den hieb und stichfesten Nachweis, Sohn des Paul / Pan Pawel III. zu sein, in jedem Fall schon zu den Aufsteigern

Trotzdem ein mögliches Indiz: "Der Appel fällt nicht weit vom Stamm".

So befinden sich 1690 - so meine fast bestätigte Ahnung - der etwa 20 Jahre alte Enkel des Land-Cämmers vor 1556, des Seel. Paul Gutt, gewesenen Land Cämers und der 1690 amtierende Land-Cemmer Orlowsky zusammen als Huldigungsreisende nach Königsberg.

Friedrich III. ist Churfürst ab 1688 - bis er sich 1701 selbst zum König krönt - und nun Friedrich I. von Preußen nennt. Warum wahrscheinlich die "Huldigung" erst zwei Jahre später stattfindet, kann man hier im Absatz "Als Kurfürst Friedrich III. (1688–1701)" nachlesen.

 


5. Nahezu übereinstimmende Datumsangaben von schon im April 2010 im GSTA PK (Geheimen Staatarchiv Preußischer Kulturbesitz) gefundenen Dokumenten mit der Reise des Marcy/Mathes I. Guttowsky zur Huldigung nach Königsberg sind das stärkste Indiz dafür, dass dieser ein naher Verwandter von Paul/Pawel III. ist.

1690 reist Mathes zusammen mit Andreas Orlowsky hoch zu Rosse oder wie auch immer nach Königsberg zur zwei Jahre verspäteten Huldigung - am 24. Mai 1690 - von Churfürst Friedrich III. 

Per nicht erkennbarem Datum schreibt "Paul Gutowsky von Dibowen Johannesbg. Ambt…" unter Umgehung des "Dienstweges" - des Johannisburger Amthauptmanns - und in Unkenntnis oder bewusster Ignorierung des alten Reims "Gehe nicht zu deinem Ferscht, wenn du nicht gerufen werscht" an einen (wohl verreist gewesenen) Ober-Secretär - den "Hochedlen, Weisen undt Hochbenahmbten, Hoch zu Ehrenden Herr Raths, undt Hochgeneigten Herr Ober Secretarie" in Königsberg einen Brief. (! ohne Randnotizen, Empfehlungsvermerke und ohne Umschlag, Das schon allein deutet auf die Direktübermittelung an diesen beim "Oberrath"!) In diesem Brief erinnert er an das Versprechen eines "Patroni", einen "Ambts Bericht von Johannisbg vergangenen 30.sten Junis o a.c." wegen seiner "gantz verwüstetete Huben zu Diebowen" und Antrag auf zehnjährige Abgaben- und Lasten-Pflicht weiter zu reichen. 

Ich glaube, dass die Form dieses Briefes - untertänigste Unterwürfigkeit und bauernschlauer Hinweis auf Versäumnisse des Herrn Patroni bzw. Obersekretär - und die nachfolgenden Auseinandersetzungen deswegen im Oberrat - dazu geführt hat, dass diese Korrespondenz im Preußischen Etat-Ministerium und heute im GSTA PK in Berlin sorgfältig bis heute aufbewahrt werden.

Ich möchte darauf wetten, dass der inzwischen 46-jährige Pan Papa Paul seinem Bruder oder Sohnemann Mathes diesen Brief mit auf die Reise gegeben hat: "Gib den Brief persönlich im Schloss beim Oberrath ab. Wenn wir warten, bis der Fink von Finkenstein - Ambtshauptmann von Johannisburg - tätig wird, können wir alt und grau werden."

Am 14. Februar 1691 (lt. Umschlagbeginnt der weitere  Schriftwechsel über die 10-jährige Abgabenbefreiung von "Paul Gutowsky". Die preußische Regierung *) in Gestalt von Landhofmeister, Oberburggraf und Cantzler schreiben "d 14. Febr:1691" an den Churfürst in Sachen Paul Gutowski. 

"d. 4. Oktob/24 Sept. 1691"  antwortet der Churfürst positiv zustimmend ja befehlend an den "Hauptmann Zu Johannisburg".

Wenn dieser Hauptmann daraufhin gespurt hat, konnte Pan Paul/Pawel Guttowsky mit seiner zweiten Gattin, "coniux", Mater Maria geb. Bylowna und seinen acht - davon 7 frühverstorbnenen - Kindern bis mindestens 1701 seinen Besitz in Diebowen ohne Steuern und Abgaben leichter aufbauen und wird noch weitere 10 Jahre bis zu seinem möglichen Pest-Tod (1711) und in jedem Fall mit dem entwürdigenden Begränis daran seine Freude gehabt haben. 

(d. 19. Juli Sepult: (begraben)

Pan Pawel Guttowsky aus Dybowo von der Dziewka (=Hure, Dirne, Straßenmädchen) Catharyna, 

Tochter des verstorben Albrecht Sejdy aus Kotow auf dem Friedhof (an dem) Datum begraben)


 

*) Nach der Verfassung des Herzogstaates führten vier Oberräte die Regierung: Oberburggraf, Obermarschall, Landhofmeister und Kanzler. Sie bildeten die sog. Oberratsstube, die bis 1804 als Etatsministerium bestand. Danach wurden die Würden zu Titeln, die an hervorragende Beamte verliehen wurden. Der Titel „Kanzler“ ging 1808 auf den Präsidenten des Oberlandesgerichts Königsberg über. Der Oberburggraf wohnte im Königsberger Schloss. Die Obermarschallei war auf dem Burgkirchenplatz, die Kanzlei in der Junkergasse, die Landhofmeisterei in der Landhofmeisterstraße von Königsberg.


6. Dies ist kein echtes Indiz - könnte fast das Gegenteil sein - aber

These 3

C. Vater und Sohn arbeiten gemeinsam am Wiederaufbau des von den Vätern ererbten Besitzes 

D. Lange vor 1690 schickt der Vater den Sohn dazu nach Gutten (in andere wüst daliegende Gehöfte) - derweil unabhängig davon das Ambt Johannisburg und der Oberrat bis 1703 weiter um und wegen des Gutter "Erbe" des Andres Guttowsky in Kobilienen korrespondieren.

Wie aber kommt es dann dazu, dass in den Rosinskoschen Kirchenbüchern ab ca. 1690 nahezu parallel Kindstaufen des Marcy in Gutten und des Pawel in Diebowen stehen?

Gutten

 

 Marcy / Mathes I. Guttowskÿ et Mater Dorothea z Guttow

deren Kinder:

?*vor1691 Dorothea †06.06.1713

?*vor1691 Elsbieta †20.06.1713

Catharina *vor 1691 (16.07.1701 Patin)

Jan *25.03.1691,

Adam *11.01.1693,

Marcey/Mathes II. *06.03.1695  1718 Besitzer

Woycieck *24.02.1697 - 5xUrgroßvater

Anja *24.05.1699

Elsbieta Guttowska *? - †03.10.1702

Infans ……… *+† 07.06.1705

Andr: *? - †20.06.1706

Anna *22.05.1707

Thomaß *27.12.1708

ein Enkel begraben 09.01.1711

Dorothea *vor1697 - †06.06.1713

Diebowen

 

Pawel III. Guttowsky et Mater Maria z Dybowo 

ab 1697 nobilis

deren Kinder:

Barbara */†25.03.1691 (ist tot?),

Stanislaw *13.05.1693, 

Maria *14.08.1695 - 1719 Patin 

Zofia *07.07.1697 - ist 1714 u. 1725 Patin 

Cristian *16.08.1701, - ist 1732 u. 1734 Pate

Elßa *05.09.1703 †1706,

Jan *07.06.1707 et Mater Dorothea Turowsky 1744

Pawel IV. = Paul Guttowskj *05.08.1710 - †????

 

Pan Pawel III. / Paul Guttowsky, ~*1647 - †29.05.1711 wird 1656 im Alter von 9 Jahren von den Tataren entführt »woselbsten leider! über 10. Jahre lang gefangen gehalten«. Er ist frühestens als "Krimtataren-Heimkehrer" 1766/67 zu seinen verwüsteten Huben zurück gekehrt. Ist Marcey - *~1670 - sein Sohn, muss Pawel bald danach (in erster Ehe ?) geheiratet haben. Vielleicht eine Frau, die bald gestorben ist. 

Ab den Aufzeichnungen des KB Rosinsko 1690/91 - just nachdem die Bitte um Abgabenbefreiung erste Wirkungen zeigen - haben "ein" Pawel Guttowski et Mater (Gattin, "coniux") Maria - nach dem Marcy aus erster Ehe - wieder acht Kinder - in zweiter Ehe, wenn es wirklich der gleiche Pawel ist. Pawel wäre danach mit 44 bis 63 Jahren noch acht mal Vater geworden - bis er 1711 mit ca. 64 Jahren an der Pest zugrunde geht. (Immerhin hat ja auch sein armer Bruder Jakob - alias "Flinta" - 1708 in Rosinsko eine Tochter Dorothea bekommen.)

Auch Marcey/Matthes I. Guttowsky hat - fast zur gleichen Zeit ! - das große Glück eine Frau, eine Dorothea, zu haben - im nahezu gleichen Zeitraum - 1691 -1708 - zehn "Geburten".

Nach den Hufenschoß-Protokollen von 1718 ist Mathes II. *1695 jetzt der Besitzer, nur "Freyer", allerdings mit nur 1 Hufe, 15 Morgen. Das "Erbe" in Gutten ist zu der Zeit längst zerschlagen und als "Caduc verkaufet".

In Diebowen hält Paul IV. Guttowskl 1718 - als "Cöllmer" immerhin noch 5 Huben.

Und nun zu Kibissen, in dem der 4xUrgroßvater Michael Gutowski am 23. September 1729 als Sohn von Woycieck Guttowsky - dieser der Sohn des Marcy/Mathes aus Gutten - geboren ist.

 

In Kibissen ist es ähnlich.

 

"Die angeschürte Glut schlug in hellen Flammen gleich über Haus und Dorf, Kirch und Stadt zusammen. Vieh, Gerät und Silber ward hierbey erbeutet, und durch das ganze Land Furcht und Noth verbreitet."

Besonders schwer litt Lyck, das ausgeplündert und vollkommen zerstört wurde. die Bewohner hatten sich allerdings auf die Burginsel im Lycker See retten können, wo sie von einem Dragonerregiment, das der Oberst von Auer auf eigene Kosten erstellt hatte, erfolgreich verteidigt wurden. Aber nicht nur die Männer bewiesen Mut, das bezeugt der bis in unsere Zeit so genannte "Tatarensee". Eine Horde hatte eine große Schar der männlichen Bewohner des Kreises Lyck gefesselt, sie an die Schwänze ihrer Pferde gebunden und sie zum See geschleift. Als die Tataren dort lagerten, schlichen die Frauen der Gefesselten herbei, taten mit den Feinden lustig und machten sie mit Bärenfang betrunken, daß sie umfielen. Da befreiten die Frauen ihre Männer, und gemeinsam warfen sie die Betrunkenen in das moorige Wasser. Aber bei den meisten Bewohnern war eine Gegenwehr vergebens, die Horden wüteten dann um so schlimmer. Im Kirchspiel Ostrokollen wurden 96 Menschen erschlagen, 1362 wurden gefangen und fortgeschleppt. In Kallinowen wurden von 800 Einwohnern die meisten getötet, der Rest in die Sklaverei geschleppt, so auch der Pfarrer Baranowski, der als Galeerensklave elend auf Kreta verstarb.

"Die Aeltern aber selbst lagen schon in Banden, zur Freyheit war für sie kein Weg vorhanden. Niemand durfte hoffen, sie von Strick und Ketten der harten Dienstbarkeit jemals zu erretten."

Noch grausamer und brutaler – falls noch eine Steigerung möglich war – erwies sich der Tatareneinfall in das Bartner Land im darauf folgenden Jahr. Nachdem die Horden wieder das Schloß Barten nicht stürmen konnten, zogen sie wütend nach Lötzen, das sie wie auch die umliegenden Orte niederbrannten. Der Herr von Gut Stürlack, Freiherr von Schenk zu Tautenburg, wurde auf einem Stein vor seinem Haus in Stücke gehauen. Viele Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht, fast alle Bewohner auf grausamste Weise umgebracht. Frauen und Kinder wurden zusammengebunden und wie Vieh in die Türkei und auf die Krim getrieben und dort in die Sklaverei verkauft. Es gibt kaum Berichte über deren Schicksale, erschütternd sind die Briefe der Gräfin von Lehndorff aus Konstantinopel, in denen sie um das für ihre Freilassung geforderte Lösegeld bittet. Es konnte nicht aufgebracht werden. Agnes Miegel schildert in ihrer Erzählung "Das Lösegeld" den Freikauf eines versklavten Mädchens – aber um welchen Preis! Und in ihrem mahnenden Gedicht "Über der Weichsel drüben" klagt sie: "Deine jungen Töchter verschleppte der gelbe Tatar ..." In ihrem großartigsten Werk, den "Geschichten aus Alt-Preußen" wird in "Engelkes Buße" das Herrschaftskind von der durch eigene Kindstötung schuldig gewordenen Magd vor den mordenden Tataren gerettet. Aber wie viele Säuglinge wurden ermordet, wie viele elternlose Kinder irrten weinend umher und starben irgendwo in dem verwüsteten Land.

"O Vater! riefen sie, laß dich von uns finden. Geliebte Mutter ach, kannst du so verschwinden? Bis sie matt vom Weinen, matt von Frost und Darben und allen Trosts beraubt, auf den Feldern starben."

Pfarrer Johann Molitor hat diese Grausamkeiten in seinem Heimatort Groß Rosinsko selber erlebt, wo die älteren Bewohner erschlagen, die Frauen geschändet, Kinder zerschmettert und aufgespießt wurden. Molitor konnte sich in den Worguller Sümpfen verbergen und sich dort von Baumrinde und Wurzeln ernähren, bis die Tataren abgezogen waren. Der Raubzug hatte erst ein Ende, als am 16. September 1657 im Vertrag zu Wehlau dem Großen Kurfürsten von Polen die volle Souveränität über das Herzogtum Preußen zugesagt wurde, die 1660 im Frieden zu Oliva von allen Großmächten sowie vom Kaiser ihre Bestätigung erhielt. Molitor schrieb sich die Qual des Erlebten in der masurischen Sprache seiner Heimat vom Herzen, nichtsahnend, daß sein Tatarenlied einmal als das große authentische Dokument dieses grausamen Kapitels deutscher Geschichte – das leider nicht das einzige blieb – gewertet würde. Aber er war nicht nur ein dichtender Chronist, sondern auch ein Mahner, der in der harten Sprache der damaligen Zeit schonungslos Ungläubigkeit und verlorene Moral anprangert. Wer sich eingehend mit dem Tatarenlied – übrigens ursprünglich: Tartarenlied – befaßt, wird sehr nachdenklich werden.

Johann Molitor, der bis 1682 Pfarrer der Gemeinde blieb und unter der großen Linde auf dem Kirchplatz von Großrosen, wie Groß Rosinski umbenannt wurde, begraben liegt, hat noch erleben können, daß sein Lied am 3. Mai 1662 in voller Länge beim preußischen Friedensdankfest in den Grenzkirchen zu Polen gesungen wurde. Bis in die Neuzeit hinein fehlte es nicht in den Kirchen Masurens.

Sein Porträt, das bis Kriegsende in der Kirche von Großrosen hing, ist verschollen. Auch alle Nachforschungen über den Verbleib des Gemäldes, die Hans-Egon von Skopnik – auch über die Ostpreußische Familie im Ostpreußenblatt – anstellte, blieben ergebnislos. Aber sein Tatarenlied blieb erhalten.

Das Tatarenlied

Von Johann Molitor (1656)

Betrübtes Vaterland! Netze Deine Wangen;/ Denkt, Preußen, was mit euch damals vorgegangen,/ Als man sechszehnhundert sechs und fünfzig zählte,/ Und ein ergrimmter Feind euch empfindlich quälte.

So wie ein Adlerschwarm, kam in schnellen Heeren/ Ein raues Herdenvolk, alles zu verzehren./ Unvermuthet sprengten wilder Barbarn Horden/ Auf raschen Pferden an, um hier frey zu morden.

Die angeschürte Glut schlug in hellen Flammen/ Gleich über Haus und Dorf, Kirch und Stadt zusammen./ Vieh, Gerät und Silber ward hierbey erbeutet,/ Und durch das ganze Land Furcht und Noth verbreitet.

Sein scharfer Säbel hieb alles ohn Erbarmen;/ Der Wütrich riß das Kind aus der Mutter Armen,/ Die mit nassen Wangen kläglich nach ihm blickte,/ Und tiefe Seufzer nur zu den Wolken schickte.

Auf den Feldern irreten armer Waysen Haufen;/ Bestürzet sah man sie durch einander laufen,/ Und gleich jungen Vögeln, wenn sie sich zerstreuen, Mit ängstlich banger Stimm, nach den Aeltern schreyen.

O Vater! riefen sie, laß dich von uns finden./ Geliebte Mutter, ach! kannst du so verschwinden?/ Bis sie matt vom Weinen, matt von Frost und Darben,/ Und allen Trosts beraubt, auf den Feldern starben.

Die Aeltern aber selbst lagen schon in Banden;/ Zur Freyheit war für sie gar kein Weg vorhanden./ Niemand durfte hoffen, sie von Strick und Ketten/ Der harten Dienstbarkeit je zu erretten.

Wie in dem Höllenpfuhl, hat an Händ und Füßen/ Das arme Christenvolk Bande schleppen müßen./ Ehegatten mußten sich gezwungen scheiden,/ Und so getrennt forthin allen Umgang meiden.

Sie wurden hingeschleppt in ein Land der Heyden,/ Um Gram und Ungemach überhäuft zu leiden./ Als sie angelanget, hat man unverweilet/ Den mitgebrachten Raub hier vergnügt vertheilet.

Die du zur Ehe nahmst, wird dein Weib nicht heißen;/ Ein Fremder soll sie dir von der Seite reißen./ Häuser, die du bautest, werden ledig bleiben:/ Denn in ein fernes Land wird man dich vertreiben. …

(Stark gekürzte Fassung)

 

Im Jahr 1657 fielen die Tataren abermals ein. Dazu traten in den folgenden Jahren Seuchen bei Mensch und Vieh auf, so dass Hungersnöte die Folgen waren. Das Land brauchte Jahrzehnte, um sich von den Schrecken des Tatareneinfalls zu erholnem, und wurde dann, kaum erholt, im Jahre 1709 von der großen Pest erneut aufs schwerste getroffen.

 

Es fällt auf, dass der 4xUrgroßvater Michael Gutowski am 23. September 1729 "z Kybiszow" in Kibissen geboren ist sein Vater Woÿcieck aber am 24. Februar 1699 "z Guttow" in Gutten.

"Wie und warum kommen die 5xUrgroßeltern Woÿcieck und Anna Gutowski aber nach 1700 von Gutten nach Kibissen?" war die Frage, die ich versuchen will zu beantworten.

Dabei muss ich vorher einige Umwege gehen und mögliche weitere "Verwandtschaften" und "Besitze" in den drei Dörfern Dibowen, Gutten und Kibissen aus Funden im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz - GSTA PK - nebeneinander stellend vergleichen.

Hier die Geburtseinträge von Michael im Jahr 1723 und seinem Vater Woycieck Guttowski im Jahr 1697.

Doch der Reihe nach: 

Gutten

 

Der Weg ist relativ einfach zu beschreiben: Vom großen Gutten am Borowo-See 3,5 km nach Nord-Nordost zum Stammsitz der Guttowsker in Dybowen am Dibower See und dann 3 km östlich weiter über einen Feldweg zum kleinen Kibissen am Wald.

 

 

 

Zunächst ist anzunehmen, dass Marcy / Mathes I. Guttowsky, Sohn von Michel oder Jan Gutt, 

Nun muss ich zuerst sehr ausholen:

Von Gutten heißt es im Johannisburger Beständnisbuch von 1717:

"41 Hub sind den Einwohnern 1484 …… verschrieben …… …… An vorherstehenden 41 Huben, haben der Guttowsken Erben, 13 Huben, davon sie kein Pflug Getreÿdich geben, auch kein Scharwerk leisten, worüber aber keine absonderliche Verschreibung haben; diese 13 Huben haben seit dem Tartarisch ruin wüst gelegen, Und sind auch bishero auch von den Erben nicht genützet noch dem Ambte vermiethet; Und sie …… die Erben, weder die Contributeones noch Pflug Getreÿdigt von diesen Huben gegeben.

Diese "Erben" sind 

So haben Sr. Königl: Maj… den 20te Martÿ ao 1703 allergnädigst rescribiret, daher die Erben den Nachstandt dem Ambt nicht bezahlen können oder wollen, daß die Huben von den Contzren aufgebothen, und dem meistbiethenden verkauft worden, solches ist auch Bereits von denen Kantzren publiciert, Und so viel Huben davon worden verkauft, davon soll daß Kaufgeld, unter den Kaufgeldern; und daß Pflug Getreÿd. beÿ diesem Dorf jährlich ringsrum man werden.

4 Huben Waldes, gebrauchen Paul Gutten Landt- Cämmers Erben, und thun davon keine Pflichte, darüber ist im Ambte keine Landt…est zu finden, Der Paul hat allzeit vorgegeben, daß er Eine ?Mvorzeigen will, so aber bis dato nicht geschehen und soll auch beÿ der 98-Unter- suchung nichtes beÿgebracht worden sein.  Noch 1 Hub 15 Morgen Wiesen schaft, gebrauchen sie ohne alle Beschwerde, und haben darüber auch keine Landtkost zu produciren, beym Ambt auch kein Nachricht davon zu finden.

2 Hub 15 Morgen Zinsen sie jährl: anstatt des vorigen Dienstes der 50g und 5… Capanumm 5 rtl 20g darüber auch gleichfalls obgemelte Maßen keine Verschreibung zu finden.




http://goo.gl/maps/g47zV