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1498 bis 1718
(sie siedeln aber mindestens eine Generation früher)
werden die die mutmaßlichen Urahnen, Polnischer Landadel aus Nord-Masowien, 
in Galinden, der "großen Wildnis" im herzoglichen Hauptamt Johannisburg
zu Zeiten des Deutschen Ordens urkundlich erwähnt:
Marcin Gutowski 1505 in Drygallen
und ab 1500 zu Zeiten des Herzogs Albrecht von Preußen
dieser erneuert (!) 1538 - eine alte* Handfeste
den 4 Söhnen des Nicolai in Gutten bei Rosinsko
1540 erscheint die 3. Generation
der Marcin, Jann, Pavel und Bartek, des Nicolaien nachgelaßene Söhnen
nun schließlich in den Johannisburger Orts- und Einwohnerverzeichnissen
in den zwei Orten "Das Dorf Gutten"/"Das Dorf Güten" und "Das Dorf guten"/"Das Dorf Gütten"
sie haben sich inzwischen wie die Karnickel vermehrt, sind "Besitzer" und "Gertner"

Pavel/Pauel Gutt Land Cämmer (Paul I.) *1510 Gutten -> † nach 1595
- im Brief vom 6. August 1582 "schwach und altt worden" - letzter 4. Brief von 15.11.1595
scheint noch zur 2. oder doch schon zur 3. Generation der Gutt zu gehören,

deren Nachfahren in 3. bis 4. Generation leben mit dem inzwischen erworbenen Besitz in Gutten,
einem der 3 Dörfer Gutten, Dybowen udn Kibissen

*~1560 -> †~1620 - und vor ca. 1690 Jakob Gutowski in Diebowen/Dybowo
Seel. Paul Gutt, gewesener Rosinsch Land Cämer - *~1598 ->†um 1656
dessen 2 Söhne sind die ungleichen Brüder Paul und Jacob - s.u.

Es gibt aber noch 3 weitere Gutten,
Seegutten R am Spirdingsee, Gutten bei Lötzen und Gutten zwischen Oletzko/Treuburg und Lyck,
die offensichtlich von Masowischen Gutowski, also Verwandten, gegründet wurden.

Hier nun eine aufschlussreiche Soziologie "unserer" Gutt/Gutowski
in den gewaltigen Krisenzeiten zwischen Tartarensturm 1656 und Pest 1709-1711/12


 
Die ungleichen Brüder Paul und Jacob Guttowskj - (Gutowski)
sind die nach dem Tartarensturm 1656 übrig gebliebenen Söhne des o. gen. "Seel. Paul Gutt"
Paul Gutt *1647 nimmt nach seiner Rückkehr aus dem Tartarischen Exil
und in der Korrespondens mit "Königsberg" um Steuererleichterung für seinen wüsten Besitz
wieder das Adelsprädikat Gutt-"owski" an
und wird im Kirchenbuch als Pan Pawel Guttowskj genannt -
*1647 - †19.07.1711 an der Pest - und - Jacob *um 1656 - †nach 1711

Ihr Schicksal, ihr vergeblicher Kampf um den Besitz
im Zeitraum 1698 - 1718 konnte ich anhand von Dokumenten aus dem GStA PK rekonstruieren.

  Fasziniert hat mich bei oberflächlichem Durchlesen aller gefundenen Dokumente sofort die dahinter verborgenen Lebensgeschichten,
hier die des Pan Pawel (Paul) Guttowsky und die seines Bruders Jacob.

 
Was für ein "Mensch"
 
   ist ein naher Verwandter meines 6x Urgroßvaters aus Gutten R, Pan Pawel (Paul) Guttowsky, aus dem Nachbardorf Diebowen, *um 1647, welcher im Alter "von 9 J."  - nach  anderm Bericht - "…… mit seinen Brüdern [1] ao 1656 in die Tartarische Dienstbarkeit weggeführet ……" - und nach über 10 Jahren [2]- so weit bisher erkennbar - um das Jahr 1666/67 herum den weiten Weg auf sich nimmt - ~1.500 km - zu Fuß oder zu Pferde als etwa 20-Jähriger allein von der Krim (von dort kamen die Tataren und dort verkauften sie ihre "Ware")  oder aus der Türkei (das berichten die meisten Zeugen), um das Erbe seines Vaters, des "Seel. Paul II. Gutt, gewesenen Rosinsch Land Cämers", wieder in Besitz zu nehmen? Es ist seine "Heimat" - 14 Hufen in Diebowen, die sind aber nur mit "Dienst-Gesinde" [3] zu bewirtschaftenWas er aber vorfindet, sind verwüstete Dörfer, "ruinierte Huben", die er die nächsten 20 Jahre mit seinem nicht entführten jüngeren Bruder Jacob - beide je 7 Huben als Erbe des Seel. Paul Gutt - bewirtschaftet.
Er schafft es, sein Bruder Jacob gibt auf - und - um den Schluss vorwegzunehemn - stirbt am Ende als einer der Letzten an der Pest.

[1] nicht leiblichen gemeint sondern  die vielen anderen damals

[2]"weill ich zu damahliger Zeit von dem Erbfeinde in die Tartarey gerathen, woselbsten leider! über 10.Jahre lang gefangen gehalten - worden, bei meiner wiederkunft von selbiger total ruinirten Huben

{3} samt den mit ihm entführten "Dienst-Gesinde: 3 Knechte, Jung, Dienstweiber, 2 Mägde, Dienstmädchen, Unterthanen)

 
   Pawel Guttowsky macht das gleiche, was sein Urgroßvater, ein "Churfürstl. Bedienter", Paull I. Gutth Land-Cemmer zwischen 1582 und 1595 auch mehrfach getan hat. Er kennt den Wert und die Achtung vor seinem adeligen Stand, heißt nun wieder Guttowsky, und beantragt - vor 1690 - selbstbewusst Abgabenbefreiung, formvollendet in damaliger Amtssprache an den "Hochedlen, Weisen undt Hochbenahmbten Hoch zu Ehrenden Herr Raths, undt Hochgeneigten Herr Ober Secretarie" und mahnt Antwort an - bauernschlau im Detail - indem er für alle 14 Hufen diese Befreyung erbittet. So erinnert er höflichst an "…… die Sache wegen meiner 14. gantz verwüsteten Huben zu Diebowen des Johannisb. Ambts, weill ich zu damahliger Zeit von dem Erbfeinde in die Tartarey gerathen, woselbsten leider! über 10.Jahre gefangen gehalten ………… 10 Jahr lang von allen Contributions Beschwerden undt anderer sich begebenden onera, von Ew. Churfürstl. H(oheit) allergnädigst befreyt zu werden."  
 
Den "Besitz der Väter" will er wieder zurück gewinnen, gottergeben aufgeben ist seine Sache nicht. 
Meiner Vermutung nach, gibt er diesen Brief dem Verwandten "Matthes Guttowsky von Gutten" mit auf seine Reise zur zwei Jahre verspäteten Huldigung von Churfürst Friedrich III- am 24. Mai 1690.  (s. dort)
"d 14 Febr: 1691" reagiert der Oberrat in Königsberg und leitet das Anliegen an den Churfürsten weiter. Endgültig zustimmende Antwort vom Churfürsten gibt es per 6./16. Octob. 1691.
 
13 Jahre später muss er ein zweites Mal erleben, dass - 1709-1711 - die Pest erneut das Land entvölkert und erlebt, wie sein Sohn "Pawel Guttowsky Nobilis et Mater Maria z Dybowo" und all seine Verwandten (4), jener Mathes/Macey Guttowskj in Gutten und Michel Guttowskj in Kybissen wieder ganz von vorn anfangen müssen.
Im Jahr 1711 stirbt "Pan Pawel Guttowsky" - wohl selbst an der Pest und wird am 19. Juli unter unwürdigen Umständen von "einer Dzwieka", Pestmagd, beerdigt - der Pfarrer ist selbst krank oder tot.

  (4)13 Hufen in Gutten, 8 Hufen in Kybißen besitzen verwandte Gutowski's - alle drei Dörfer im Kirchspiel Rosinsko, im südöstlichsten Teil des Kreises Johannisburg in Masuren

Der andere, nicht entführte, Bruder, der "arme Jacob" [5],  aber gibt im Jahr 1700 auf, verpfändet seine 7 Huben und "sucht sein Glück bei der Miliz", hat im Rosinschen KB den Alias-Namen "Flinta", lebt im Kirchdorf Rosinsk - und - hat 1708 eine Frau, Catharina, und ein Kind, Dorothea *9. Sept. 1708.
 
[5] Dieser Guttowskj ist aber 50 Jahr alt und hat keine Kinder lebet auch in unverheyrathetem und in einem sehr armen Stande. 

 
Was verbindet mich mit seiner "inneren Geschichte",
was erahne ich in der Beschäftigung mit den von ihm zeugenden Briefen?
Entdecke ich seine "Gene" in meinem Vater und auch in mir?
 
Was bringt ihn dazu, 
was geht in ihm vor, wenn Kurfürst Friedrich III. zwar sein bzw. seines Amtshauptmanns Ansuchen auf Abgabenbefreiung zügig beantwortet, dann aber ein subalterner »Hoch zu Ehrender Herr Rat« diese gewährte Anordnung missachtet und er erst 3 Jahre später unterthänigst lobhudelnd um sein "Recht" kämpfen muss. Ob er und Sohn Paul III danach überhaupt in den Genuss der Befreiung gekommen ist, ist leider nicht überliefert.
In welcher Zeit leben sie und nach welcher "Mode" ändert er den Vatersnamen Gutt wieder auf den alten polnischen Adelsnamen? Was geht in ihnen vor, wenn Bruder Jacob mangels überlebender Frauen keine Frau findet, völlig verarmt, seine 7 Hufen verpfänden muss, der große Besitz der Väter von vor 1656 14 und weitere Hufen in den zwei anderen Orten Gutten und Kybissen durch die Pestepidemien (1709-1711), nachfolgende Hungernöte, Ernteausfälle und mangels Dienstgesinde auf 1 Hufe, 15 Morgen  (so 1718)  verkleinern muss?

   Fasziniert hat mich bei oberflächlichem Durchlesen aller im GSTA PK gefundenen Dokumente sofort die dahinter verborgenen Lebensgeschichten, hier die des Paul/Pawel Gutowskj und die seiner Bruders Jacob.

  Paul wird im Jahr 1656 mit Tausenden anderer von den Tataren verschleppt, kommt vor Abfassung der vorliegenden Dokumente von 1691 und 1694 nach "leider über 10 Jahre" - "ohnlängst" - zurück, nimmt den weiten Weg - ca. 1.500 km - von der Krim in die Heimat und das väterliche Erbe auf sich,  und sucht um Befreiung von Abgaben wegen seiner verwüsteten 14 Huben von Amts wegen nach.

Die Genehmigung des Churfürsten erfolgt zwar prompt, …………………

Unseren gnädigen gruß zuvor, edle Räthe, liebe
getrewe, Wir haben aus Euerem gehorsamsten
bericht vom 24. Octob./4.Sept. Jüngsthin vernommen,
was der aus der Tartarischen Dienstbarkeit
alldort ohnlängst wieder angelangete Einsaße
des dortigen Ambts Johannisburg, Paul Guttowski,
wegen der Wiederurbarmachung Seiner Ver=
wüsteten Huben verlangten Zehen Jährigen
Freÿheit in unterthänigkeit gesuchet: Und
gleichwie Wir nun diesem petitio in gnaden
deferieret, also habet Ihr die Versehung
zu thun, daß solche Freÿheit dem supplican=
to verstattet, und Er, wehrender dieser
Zehen Jahre mit den gemeinen operibus ge=
bethener maßen verschont werde, Undt
wir sind Euch mit gnaden gewogen, Gegeben
zu Cölln an der Spree d 6./16. Octob. 1691" 

…………… aber als nach 2 1/2 Jahren praktisch nichts geschieht, schreibt Paul dann selber - unterwürfig -  an die Johannisburger Amtshauptmannschaft.

Hochedler, Weiser undt Hochbenahmbter
Hoch zu Ehrender Herr Raths, undt
Hochgeneigter Herr Ober Secretarie,

Es werdt Ex: HochEdler Grwol: annoch gutermaaßen
wohl verinnerl(ich) sein können; Wie daß dieselbst in
vergangener 30.sten Junis o a.c. von mihr einen Ambts
Bericht von JohannesBurg erhalten, Nebsten supplicato
dabey Hochgeneigt angenommen undt die Sache wegen
meiner 14. gantz verwüsteten Huben zu Diebowen des
Johannisb. Ambts, weill ich zu damahliger Zeit von
dem Erbfeinde in die Tartarey gerathen, woselbsten
leider! über 10. Jahre lang gefangen gehalten -
worden, bei meiner wiederkunft von selbiger total
ruinirten Huben, (gestrichen) 10 Jahr lang von allen Contri-
butions Beschwerden undt anderer sich begebenden
opera, von Ew. Churfürstl. H(oheit) allergnädigst befreyt
zu werden, Sr. HochEdl(er) Herr nacher Berlin zu be-
fordern, Sich Hochgeneigt versprochen haben;
Allso ist mein gehorsambstes erbitten, Sie wollen, deßen
erinnert zu sein, Hochgrl: geruhen undt selbte
Sache des vermelten Ambts berichts undt supplicen.
sofern sie in der Zeit Hoffentlich möchte(n) sein anhero zu-
rück gekomen, fernerhin aufopferndster(?) …… Noth
Durchl? Besondere Hilpfen, damit ich armer Mann
länger nicht auffgehalten, undt fernerer besorg-
liche Beschwerde so ich bisher schmerzlich habe er-
tragen müßen, gänzlicher entbehriget sein möchte
getröste mich einer erfröwlichen entscheydung
allso

Sr. HochEhr(würdig..) Herr(lichlkeit??) undt
Hochgeneigten Patroni

             

Der Churfürst antwortet zwar wieder prompt, trotzdem verstrickt sich Paul Gutowskj in den Mühlen der in der schweren Zeit auch nur auf den Eigennutz beschäftigten Johannisburger Hauptmannschaft.

Ob Paul/Pawel wenigstens andeutungsweise die Möglichkeit hatte, seine übrig gebliebenen 7 Huben zu bewirtschaften, - den Gesamtbesitz von 14 Huben hat er ja mit seinem Bruder Jacob geteilt - kann sowohl aufgrund der Entvölkerung Masurens durch die Tartarischen Ermordungen und Verschleppungen damit auch dem Arbeitskräftemangel als auch wegen der Johannisburger Bürokratie danach bezweifelt werden. Auch die nochmalige Entvölkerung durch die Pest 1709 -1711 erlebt er noch und stirbt selbst daran am 3. August 1710. 

Sein Sohn Pawel "Nobilis" V. und Mater Maria - mit 6-8 Kindern - wird in den Hufenschoßprotokollen von 1718 mit gerade mal 1 Hube, 15 Morgen gelistet. 

––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––

Beim weiteren mühsamen Entziffern weiterer Dokumente entdecke ich nun außerdem den 4 Jahre jüngeren, leiblichen Bruder des Paul, Jakob Gutowski.

Dieser Bruder Jacob - ist offensichtlich nicht verschleppt gewesen - mit dem Paul/Pawel die 14 Huben "vertheilet" 

Jacob ist allein schon durch die Folgen der Tartarischen Verwüstungen - die Pest wird erst Jahre später wüten - allein nicht in der Lage, das große Erbe der Väter zu bebauen und muss es verpfänden.

Der Amtshauptmann schreibt nach Königsberg

Durchläuchtigster, Großmächtigster Churfürst
allergnädigster Herr, Herr!

Nachdehm Jakob Guttowskj von Diebowen, beÿ
Sr: Chf: Durchl: umb einen Consens, daß Er sei=
ne nach dem Vater ererbte 7 Huben verpfän=
den möge, gefüget, und Sr: Churfürstl: Dhrl:
gnädigst brachten zu berichten, war viel Huben
demselben Guttowskj zu gehören, was …… (Sie) ni=
grutens Werts sind, und ob Sie auff der
Aperture  t…ken, auch ob sonst etwas bedenk-
liches dabeÿ seÿ.              

So berichte darauf gehor-
sambt, daß derselbe nach seinem Vater 7 Huben
in Diebowen Ererbet hat. Beÿ diesem Freÿ
Dorffe sind 30 Huben vom George Delbiz
Anno 1514 zu Magdeburgischen Rechten ver=
schrieben, davon 14 H die Zwallinner beseeßen,
welche wegen einer auff dem Fluß Johannis=
burg gehabten Mühl, durch welche dieses Ambt
Hauß oft unter waßer gesetzet worden, welche
Sie selbige abbrechen müßen, vom Scharwerk
auch Pflug Getreÿdich Anno 1598 sind be=
freyet worden.          

Diese 14 Huben, hat nach=
mals des Jacob Guttowskj Vater gehabt,
nach seinem Tode haben deßen Hinterlaßner
Zweÿ Söhne, alß Pawel und obbenandter Jacob
untereinander vertheillet, und sind also diesem
Jacob 7 Huben Zugefallen; wrellen die Hu=
ben beÿ dersem Dorff sehr verwachßen auch
schlecht sindt, so kan eine Hube nicht höher alß
á 60 x (thaler/Geldwert) gleich anderen dergleichen Freÿen Hu=
ben gerechnet werden.

Dieser Guttowskj
ist aber 50 Jahr alt und hat keine Kinder
lebet auch in unverheyrathetem und in einem
sehr armen Stande.

Wrellen nun diese
Huben vom Scharwerk auch Zinß Getreÿ=
dich befreyet sindt; auch sonsten verschlechten
würden.

So stelle Sr: Chf: Dchl: anheimb
ob Sie consenteren wollen, daß dieser Gut=
towskj seine 7 Huben, in seiner großen
Dürftigkeit verpfänden  soll, oder nicht
…… ersterbe

Alß muß Gutowskÿ nochmahln, daß er die verlangte 500 x (Taler)
weil das Gutt Dibowa in fast wüstem Stande ist, und er also
sein Glück bey der Miliz suchen muß, zu seiner Ausrüstung
und andern unfermeidlichen Außgaben anzunfreunden
genöthiget wird, Ew. Churf, Durchl. dehmütigst vorstellen,
und daneben unterthänigst bitten, Sie geruhen gibst

 

Dem Jacob wird erst spät noch ein zweites Glück zuteil.
Im Kirchenbuch Rosinsko steht im Jahr 1708:
»d 9 Sept. Baptismus
Parentes Jak. Guttowsky alias Flinta et Mater Catha……. z Rozinska
Infans Dorothea«
Die Paten/Parentes sind "omnes z Rosinsk"
 

 

In dem 1656 von den Tataren entführten 9-jährige Enkel des Diebower Kölmer Jakob Gutowskj  von 1598, und Sohn des Land-Kämmerers Seel. Paul II Gutt  - †vor 1656 -, Paul III Gutowskj , meine ich, die geheime "Masurische Seele", die Gene, den Lebenswillen meines Vaters, wiederzufinden.

Einen größeren Gegensatz kann ich mir nicht vorstellen. Während Paul III wirklich  alles dran setzt, in die Heimat und das Erbe der Väter zurück zukommen und den verwüsteten Besitz zu rekultivieren, sitzt der nicht entführte Jakob 44 Jahre auf dem "sehr verwachsenen und schlechten" Erbe des Vaters, "ist aber 50 Jahre alt und hat keine Kinder, lebet auch in unverheirathetem und in einem sehr armen Stande", muss seinen Besitz, die 7 Huben, verpfänden und will, " sein Glück bei der Miliz suchen".

Auch dieses ohnmächtige Nichtstun gehört - paradoxerweise - ebenfalls zur "Masurischen Seele", den ererbten Genen.

Über all dem aber stirbt Pan Pawel Guttowsky  - nach dem Rosinskoschen Kirchenbuch - am 19 Juli 1711 - als einer der Letzten an der Pest? - die Pest ist doch schon seit Mitte 1711 abgeklungen? Oder?
Nach einer Statistik - "Geschichte der Pest in Ostpreußen" von Wilhelm Sahm, Leipzig 1905 - waren im Kirchspiel Rosinsko "nur" die Dörfer Kurszontken, Marchewken, Gutten, Gr. Rogallen, Kiebissen und Klein Rogallen "infiziert", nicht aber Diebowen. In Gutten und Kiebissen können seine Verwandten betroffen gewesen sein. Hat er sich dort - bei einem Trauerbesuch, einer Erbe-Anmeldung ? - angesteckt?
Er wird nicht von Pfarrer Simon Meinicke - der ist von 1682 bis 1718 in Rosinsko und ist ja nicht an der Pest gestorben - sondern von der "Magd Catharyna, Tochter des verstorbenen Albrecht Sejdy aus Kotow auf dem Friedhof an dem Datum, dem 19. Juli, begraben". Wurde die "Dziewka Catharyna" als weiblicher Pestbalbier, Pestkerl dazu verpflichtet? Und - "na Cmentaririj" auf dem Friedhof quasi verscharrt.  
Den 18. Januarij 1705 noch wurde seine Mutter Ewa urodzona Bylowna "z kosciol pochowat" - an der Kirche ehrenvoll begraben, was nur den Adeligen zustand.

 
 
 
Um 1690 finden sich im gleichen Rosinskoschen Kirchenbuch dann noch zwei Söhne:
Pawel/Paul IV. mit Frau Maria in Dybowen
und Marcy/Mathes Gutowski mit Frau Dorothea in Gutten;
auch in Kibissen gibt es drei Guttowskys, Jan, Adam und Simon, alle haben Kinder,
u.a. Woytek/Woycieck und setzen die Linie fort. 
Letzterer bekommt von seiner Frau, Mater Anna, am 23. September 1729 einen Sohn Michael geboren.
"Filiy Michael" taucht 23 Jahre später, im Jahr 1752, in Turowen unter den Abendmahlsgästen von Kumilsko als H. Michael Gutowski auf. Er ist mein 4xUrgroßvater, Vater des George Michael Gutowski in Sdorren ab 1784.
 
Es wird spannend, welche Guttowskj's im noch weiter zu durchforstenden Kirchenbuch auftauchen werden - und - ob und wie sich die Mentalität des "Pan Pawel Guttowsky" vererben wird.
Ähnliches Auf und Ab wiederholt sich in den folgenden Generationen. 

 

  Unsere Gutowski's nach 1784 sind geprägt von einer Frau, Barbara Wikowsczanka, die zwei Familien, die ihres ersten Mannes, des Freyschulzen Christian Foltin und die ihres aus Turowen zugezogenen zweiten Ehemannes, George Aemilius Gutowski, sowie ein stolzes Anwesen zusammenhält.  
40 Jahre später geht es u.a. durch die blinde Mutterliebe von deren Schwiegertochter, Katharina Krispin, rapide bergab.
Der Urgroßvater kämpft noch ums Überleben
und seine Kinder  bewirtschaften den Hof praktisch nicht mehr. Ein Sohn, Großonkel, er nennt sich Ökonom, benutzt sein tumbes Schwesterlein als Matratze, "überzeugt" sich mit der Hinterlassenschaft von vier behinderten Kindern - eins davon, 1894 geboren, ist mein Vater.
Im Jahr 1913 werden die 19+65+60 ha Brachland, Wiesen und Äcker für 12.000 Mark von einer älteren verbliebenen Schwester meiner Großmutter verscherbelt.


  Was wir von einem Menschen sehen und beschreiben können, ist eine Mischung aus dessen innerer und äußerer Geschichte. Die äußere Geschichte lässt sich an Lebensläufen und Dokumenten nachvollziehen. Die innere Geschichte bleibt uns weitgehend verborgen. Je näher wir einem Menschen stehen und je mehr wir ihn lieben, desto eher haben wir einen kleinen Einblick in seine innere Geschichte und diese ist von vielen normalerweise undurchsichtigen Faktoren geprägt.

 Was mich bei meinen so ganz verschiedenen Eltern aber bewegt, ist, dass sich da unübersehbar auch die "Wege Gottes" mit ihrer Geschichte überschneiden. 
Ohne die "Wege Gottes" wahrnehmen zu wollen, haben wir alle eigentlich nur einen Anfang und ein Ende. 

 Wir sind aber auch Produkte unserer Vorfahren – das könnte ja noch einigermaßen mit den Chromosomen, Genen und DNA's erklärt – und gar entschuldigt – werden. Es ist aber nur die halbe Wahrheit. Wir sind – ganz unbewusst – auch Produkte der Freuden und Leiden, der Erfolge und Ängste, der Erfahrungen und Bekanntschaften und den dabei notwendigerweise angelernten Gewohnheiten unserer Vorfahren.

 

 Dem will ich versuchen nachzugehen und es an Nachvollziehbarem mir, Euch und auch Anderen vergegenwärtigen – in einer inneren und einer äußeren Geschichte – und – wenn ich gar nicht weiter weiß, muss ich meine Fantasie zu Hilfe nehmen.  

Auslöser und Motor überhaupt eine Familiengeschichte zu erforschen und in dieser Form zu beschreiben, ist die mir schon als Kind aufgefallene Diskrepanz zwischen der Wirklichkeit des Lebens und Schicksals meines Vaters und der "Wirklichkeit" seines Erscheinungsbildes für Alle, die ihm begegneten und ihn liebten. Weil ich da aber kaum weiter kam, bin ich auf die sogenannte Genealogie verfallen, die zunächst schlicht und einfach einen möglichst vollständigen Stammbaum zu erstellen versucht.  

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