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Der Himmel, der kommt, das ist die fröhliche Stadt und der Gott mit dem Antlitz des Menschen.

© Kurt Marti

Von der Gegenwärtigkeit des Zukünftigen

ist der Untertitel des Bandes »Freiheit - Hoffnung - Prophetie« des Theologen und Philosophen Paul Schütz darin mit vielen inhaltsschweren Kapiteln und kaum zu verstehenden Gedanken.

In der Kirchenmusik, die ich zu betreiben hatte, unter allem Singen und Spielen der Kirche in dieser unserer begrenzten "Zeit" ist

die Gegenwart des Zukünftigen

das Wunder, das als schwaches Echo hörbar und wiederholbar gemachte dunkle Bild in einem Spiegel.

"Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht."

Der Apostel Paulus in 1. Korinther 13, 12

Die "Freiheit", angesichts einer Gesellschaft ohne Gott nun erst recht Gottes Lob zu singen, die "Hoffnung", dass unsere erlebte Wirklichkeit nicht das Letzte ist und der Auftrag der "Prophetie" in dieser Welt sind die nicht auseinander zu dividierenden Bestandteile jeder Kirchenmusik.

Dass sich selbstbewusste, selbstgefällige oder auch zu Tode betrübte Menschenkinder aber auch "Fromme" gerne vor und in diesem Spiegel der Ewigkeit sonnen, gehört untrennbar zu unseren menschlichen Eigenschaften - und ist eigene - akzeptierte - Erfahrung.

Die österliche Botschaft "Christ ist erstanden" ist das Siegel der "Gegenwart des Zukünftigen" hier in dieser unserer Welt und beileibe kein Freibrief für auf dieser Erde Gescheiterte in einem anderen  - ewigen - Leben.

Ewig ist allein Gott.

Wir sind Sterbliche. - Punkt.

Zur Jahreslosung 1987 - "Die Gabe Gottes ist das ewige Leben" - schrieb mir mein "geistlicher Vater", Walter Paulo:

"ER ist der Gebende. Und seine Gabe ist das ewige Leben.
Das ist kein  Z e i t b e g r i f f,  sondern ein
W e s e n s m e r k m a l  Gottes, nämlich die Art und Weise, wie ER lebt.
Er beschenkt uns in Christus mit SEINER Art zu sein. Mehr kann uns nicht geschenkt werden.

Römer 6, 23 vollständig: "Denn der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.

Mit dem ersten Teil dieses vollständigen Satzes  schlagen wir uns ein leben lang herum - und - übersehen dabei die ungeheure Wucht des zweiten Teiles.

Gespannt bin ich schon, was von den urmenschlichen Fantasien vom "Leben nach dem Tod" am Ende übrig bleibt und was der EWIGE - JHWHsein Name sei gelobt - hinter der Fassade unserer Zeit mit all seinen vergänglichen Geschöpfen, von den Amöben, Grashalmen, Hund und Katze, mit denen wir kommunizieren, bis hin zur eitlen "Krone der Schöpfung" - außer seinem Massenerhaltungssatz - im Sinn hat.

NB. Meine Utopie ist die einer universellen Urbanität, eines Mega-Berlin, in dessen Mittelpunkt der Ewige ist - und - in der jeder jeden kennt, oder anders ausgedrückt, jeder jeden mit den Augen Gottes, mit den Augen der Liebe sehen kann. In der alten Sprache des Neuen Testaments heißt diese Stadt das "Neue Jerusalem": Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; 4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass der Seher Johannes den im 2. Jhdt verfolgten Gemeinden Vorderasiens nicht eine ferne Zukunft sondern die lebendige Gegenwärtigkeit des Zukünftigen gleichzeitig zu ihrer seinerzeitigen realen Bedrängnis aufzeigen wollte.

Aber hier und heute ist das nicht mein Thema sondern allein die Berufung eines Kirchenmusiker zur Hör- und Nachvollziehbarmachung der Gegenwart des Zukünftigen in dieser unserer Welt hier.

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»im Anfang war die Beziehung«

übersetzt Kurt Marti einmal die ersten Worte des Johannes-Evangeliums.

und

Der Mensch ist nichts als ein Bündel von Beziehungen

Die Beziehungen allein zählen für den Menschen

Antoine de Saint-Exypéry in Flug nach Arras

Beziehungen herstellen, Dialoge führen oder - musikalisch ausgedrückt - konzertieren ist die Praxis, die "Gegenwart des Zukünftigen" in der Musik - bewusst oder auch unbewusst - erleben zu können. "Harmonie" herstellen ist nur eine andere Beschreibung der gleichen Möglichkeit. Das allein ist der Auftrag der Kirchenmusik und des Kirchenmusikers. Musik "an sich" ganz allein "für sich" hören, kann solche Beziehungen nicht herstellen. 

Das ist ja das Leiden eines Kirchenmusikers a. D., dass er keinen Chor, keine Gemeinde mehr hat, mit dem er - trotz leidvoll erlebter  kirchenhierarchischer Widerstände - kommunizieren und die Gegenwart des Zukünftigen spielerisch realisieren konnte. In den Gattungen der Kirchenmusik kommt dieses Beziehungen herstellen vor allem im Wechselgesang in jeder beliebigen Konstellation am offensichtlichsten zur Geltung.

Wenn ich nun auf den Folgeseiten einen Gottesdienst zum Abschied, (m)ein "Abschiedskonzert", konzipiere, so deshalb, weil auch nach meinem Tod der Auftrag, die "Gegenwart des Zukünftigen" zu verkündigen nicht erloschen ist.

Alles menschlich verständliche Rückwärtsgewandte, also auch die Trauer, soll und darf hier keinen Platz haben. Falls ein Pfarrer bereit ist, in diesem Sinn mitzuspielen oder einfach "Not"-wendig sein sollte, möge er bitte verzeihen, dass bei diesem Abschiedskonzert seine monologische Predigt absolut fehl am Platze sein wird.

Das wäre ein adäquates "Gedenken", wenn der Auftrag, die "Gegenwart des Zukünftigen" hier und heute zu verkündigen, auch nach meinem Tod nochmals unüberhörbar zum Ausdruck gebracht wird.

Der Leser der Folgeseiten wird unschwer erkennen, dass da hinter und unter den vorgeschlagenen Stücken auch nicht wenig Eitelkeit - "eines weithin unbekannten Meisters" - mitschwingt. Inhaltlich ist in dem vorgeschlagenen "Programm" einerseits Kirchenmusik, die ich ganz besonders liebe - z. B. Musik des - nach meiner Überzeugung - 5. Evangelisten, Heinrich Schütz, andererseits aber auch solche Musik aus der eigenen Feder, die nur irgendwann einmal aus genau dieser Überzeugung heraus dann aber aus meinem Auftrag entstanden, einmal kurz erklungen ist und wieder in Vergessenheit geraten ist.




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