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Das Tatarenlied

- (übersetzt und in stark gekürzter Fassung)

Von Johann Molitor (1656 Rektor) bis 1682 Pfarrer in Groß Rosinsko

Betrübtes Vaterland! Netze Deine Wangen;/ Denkt, Preußen, was mit euch damals vorgegangen,/ Als man sechszehnhundert sechs und fünfzig zählte,/ Und ein ergrimmter Feind euch empfindlich quälte.

So wie ein Adlerschwarm, kam in schnellen Heeren/ Ein raues Herdenvolk, alles zu verzehren./ Unvermuthet sprengten wilder Barbarn Horden/ Auf raschen Pferden an, um hier frey zu morden.

Die angeschürte Glut schlug in hellen Flammen/ Gleich über Haus und Dorf, Kirch und Stadt zusammen./ Vieh, Gerät und Silber ward hierbey erbeutet,/ Und durch das ganze Land Furcht und Noth verbreitet.

Sein scharfer Säbel hieb alles ohn Erbarmen;/ Der Wütrich riß das Kind aus der Mutter Armen,/ Die mit nassen Wangen kläglich nach ihm blickte,/ Und tiefe Seufzer nur zu den Wolken schickte.

Auf den Feldern irreten armer Waysen Haufen;/ Bestürzet sah man sie durch einander laufen,/ Und gleich jungen Vögeln, wenn sie sich zerstreuen, Mit ängstlich banger Stimm, nach den Aeltern schreyen.

O Vater! riefen sie, laß dich von uns finden./ Geliebte Mutter, ach! kannst du so verschwinden?/ Bis sie matt vom Weinen, matt von Frost und Darben,/ Und allen Trosts beraubt, auf den Feldern starben.

Die Aeltern aber selbst lagen schon in Banden;/ Zur Freyheit war für sie gar kein Weg vorhanden./ Niemand durfte hoffen, sie von Strick und Ketten/ Der harten Dienstbarkeit je zu erretten.

Wie in dem Höllenpfuhl, hat an Händ und Füßen/ Das arme Christenvolk Bande schleppen müßen./ Ehegatten mußten sich gezwungen scheiden,/ Und so getrennt forthin allen Umgang meiden.

Sie wurden hingeschleppt in ein Land der Heyden,/ Um Gram und Ungemach überhäuft zu leiden./ Als sie angelanget, hat man unverweilet/ Den mitgebrachten Raub hier vergnügt vertheilet.

Die du zur Ehe nahmst, wird dein Weib nicht heißen;/ Ein Fremder soll sie dir von der Seite reißen./ Häuser, die du bautest, werden ledig bleiben:/ Denn in ein fernes Land wird man dich vertreiben. …




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